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Petra Ihm-Fahle: Die vierte Welle

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Wir sind Corona-müde. Die Luft ist raus, was das Schreiben über die Pandemie angeht. Daher hat sich unser Autorenclub kürzlich bei Sigrun Miller auf dem Balkon getroffen, um über den Fortbestand unseres Projekts zu reden. Mein Foto zeigt denn auch die Aussicht von ihrem Balkon. 

 

Die Gruppe ist überein gekommen, erst mal eine Pause einzulegen. Wir treffen uns Anfang Oktober erneut, um uns ein neues Thema zu überlegen - oder weiter über die Pandemie zu schreiben. Am Samstag, 31. Juli war die Zusammenkunft. Einen Tag zuvor hatte der Wetteraukreis eine Inzidenz von 11,4 gemeldet. Erfreulich niedrig, obwohl wir schon bei 1,4 oder 1,6 waren. Heute schaue ich auf die Homepage der Wetterauer Zeitung und lese, dass die Inzidenz am Freitag bereits wieder bei 27,9 liegt und sich somit der kritischen Marke von 35 nähert. Zehn von 26 hessischen Landkreisen haben die 35 bereits überschritten.

 

"Die vierte Welle kommt", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn laut der Bild-Zeitung vorgestern. Ort war eine Video-Unionskonferenz. Er rechnet demnach mit erneuten Einschränkungen ab Herbst. Sein Appell lautet: "Noch einmal durchhalten bis zum Frühjahr." Es seien noch nicht so viele Menschen geimpft, dass eine Belastung des Gesundheitswesens ausgeschlossen ist. 

 

Wie Spahn in einem ARD-Extra gesagt hatte, werden drei von vier Deutschen keinen Einschränkungen unterliegen. 56,6 Prozent der Deutschen sind zweimal geimpft, 63 Prozent haben mindestens eine Spritze erhalten. Das geht aus einem Bericht der wa.de (Westfälischer Anzeiger) von heute hervor. Laut "Bild" warnte Spahn: "Jeder, der nicht geimpft ist, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Monaten anstecken."

 

Traurig. Ich muss allerdings sagen, dass es mich nicht wirklich wundert. Die Menschen sind wieder sehr sorglos, das ist zumindest mein Eindruck. Hinter mir liegen zwei Tage Elvis-Festival in Bad Nauheim und Elvis-Weekend in Friedberg. Mir fiel besonders in Bad Nauheim auf, wo viel los war, dass in der Regel niemand mehr auf Abstand achtete. Mich eingeschlossen. Ich hatte Stress, weil ich über das Festival berichten sollte und sehr viel zu tun hatte. Dadurch habe ich den Abstand oder die Maske manchmal einfach vergessen.  

 

Die Veranstalter hatten zwar ein schlüssiges Hygienekonzept, wonach Festival-Besucher nur ein Ticket oder Bändchen bekamen, wenn sie durchgeimpft oder negativ getestet waren. An den Ein- und Ausgängen gab es eine strikte Einbahnstraßenregelung, Plakate wiesen auf die Abstände hin. Zwischen den kleinen Stuhlgruppen wurden ebenfalls Abstände eingehalten. Zudem dürfte die Altersgruppe, die für Elvis schwärmt, weitgehend geimpft sein.

 

Doch was ist mit den anderen Menschen, die ohne Ticket kamen und sich beispielsweise an der Straße die Oldtimer-Parade anschauten? Die brauchten keinen Nachweis. Mich hat das alles recht nachdenklich gemacht, weshalb ich mich dieser Tage testen werde.  

 

Hoffen wir das Beste. 

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Kommentare: 1
  • #1

    S. (Dienstag, 17 August 2021)

    Ich hatte ein Bändchen ...ohne Prüfung nach Impfstatus oder Test ...