· 

Nina Elflein: Corona Wellen im Einzelhandel

„Impfausweishüllen? Sind leider ausverkauft.“

„Ausverkauft?“

„Ja. Ausverkauft.“

„Ach. Wirklich?“

„Ja. Wir haben aber neue Hüllen bestellt. Wenn Sie möchten, kann ich Sie auf die Liste schreiben.“

„Sehr gerne.“

 

Ich möchte Dir von meiner Arbeit erzählen oder vielmehr davon, wie sich die Corona Wellen bei uns 

im Laden abzeichnen. Denn mit der Pandemie hat sich zum einen das Kaufverhalten unserer 

Kundinnen und Kunden und andererseits auch der Umgang mit ihnen verändert. 

Zu Beginn der Pandemie haben wir Unmengen an Papier verbraucht. Wir haben mehr kopiert und 

ausgedruckt als üblich. Vor allem Mütter waren im Laden und haben sich die Schulaufgaben der 

Kinder ausdrucken lassen. Im Sommer kam dann eine Zeit, da war es keine Seltenheit, dass 

Kundinnen und Kunden in hochwertige Farben investiert haben. Immer begleitet von dem Satz: „Ich habe jetzt 

Zeit, und das wollte ich schon immer mal machen.“ Ich finde das super, wenn sich jemand die Zeit nimmt, 

etwas für sich zu gestalten. Im Herbst hat sich dann etwas verändert. Kalender wurden gar nicht 

gekauft, aber Karten. Viele Karten, Doppelkarten und Postkarten. Je näher die Adventszeit rückte, 

umso mehr Karten habe ich verkauft und ich habe mir vorgestellt, wie die Menschen in Ruhe zu 

Hause sitzen, einen Tee trinken, schreibend von sich erzählen und Grüße verschicken. Ich finde das 

super, wenn sich jemand Zeit nimmt, an einen anderen Menschen zu denken und ihm zu 

schreiben.

Im Frühjahr 2021 war der Laden zu. Es gab den ein oder anderen online Verkauf. Über 

badnauheimliebe.de wurde bestellt. Teils haben wir die Ware geliefert, teils kamen Kundinnen und Kunden

zum Abholen. Bis wir nach und nach wieder öffnen konnten. Meine Chefin hat sich fortwährend 

informiert, was wir machen können. Wie viele Menschen dürfen zu welchen Bedingungen in den 

Laden oder nur mit Termin bis an die Tür, mit oder ohne Test. Fortwährende Veränderungen, sich 

immer wieder neu organisieren und mit den Maßnahmen umgehen. Doch auch da hatte sich etwas 

geändert. Mir scheint, die Menschen wurden trotz der vielen Veränderungen entspannter. Anders als 

bei der ersten großen Veränderung, der Einführung der Maske. Zu der Zeit waren die Menschen ziemlich 

gereizt, manche waren zunehmend aggressiv in ihrer Kommunikation. Ich empfand das als 

zusätzlich anstrengend. Doch Anfang 2021 waren die Menschen im Laden eher froh, wenn wir 

sagten: „Alles klar. Wir sind da. Kommen Sie einfach vorbei. Wir kriegen das hin.“

Seit Wochen haben wir wieder regulär geöffnet. Schulaufgaben habe ich schon lange nicht mehr 

ausdrucken müssen. Der Kartenverkauf hat sich wieder eingependelt. Kalender werden wieder 

verkauft. Und Impfausweishüllen. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Impfausweishüllen 

gesehen, wie in den letzten Wochen. Scheint gerade Thema zu sein.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0