Ich bin geimpft!

Foto: Jule Heck
Foto: Jule Heck

 

Ich bin geimpft!

Ich hatte mich ja schon darauf eingestellt, dass ich so bald keine Impftermine bekomme. Ich hatte mich in unserem Impfzentrum in Büdingen für AstraZeneca angemeldet. Die Anmeldung wurde bestätigt, allerdings mit Wartezeit. Ich meldete mich bei meiner Hausarztpraxis und bereitete mich darauf vor, dass ich auch hier warten müsse. Meinen Mann hatte ich bereits im Februar im Impfzentrum angemeldet. Bis Anfang April hatte er keine Nachricht erhalten. Auf meine Nachfrage, wann es denn so weit sei, erhielt ich keine Antwort. Schließlich wurde er beim Hausarzt um die Ecke geimpft.

Zwei Tage nach der ersten Impfung erhielt er zwei Termine vom Hessischen Innenministerium für Büdingen. Ich hätte es unfair gefunden, wenn ich die nicht abgesagt hätte. Ständig konnte man in den Medien lesen und hören, dass Leute nicht zu den angebotenen Terminen auftauchen und die Impfdosen dann verfallen.

Also klemmte ich mich ans Telefon und rief unter der angegebenen Nummer an. Nach zwei Minuten Wartezeit hatte ich einen freundlichen Herrn am anderen Ende der Leitung. Spontan kam mir die Idee, ob ich vielleicht die Termine meines Mannes übernehmen könnte. Nach einigem hin und her, erklärte sich der freundliche Herr bereit, die Daten für mich zu registrieren. Meine Anfrage für AstraZeneca stornierte er gleichzeitig. Es dauerte ein Weilchen, bis wir endlich alles geklärt hatten. Aber ich muss die Geduld und vor allem die Höflichkeit, die der Mann mir entgegenbrachte, ausdrücklich loben.

Bereits fünf Tage später sollte ich mich in Büdingen abends um halb acht melden. Kurz bevor ich in mein Auto steigen wollte, klingelte mein Telefon. Raten Sie mal, wer sich da meldete. Es war meine Hausarztpraxis, um mir mitzuteilen, dass ich in einer Stunde dort zum Impfen erscheinen sollte. Nun hätte ich mich ja doof stellen und den Termin in Büdingen verschweigen können. Doch das wollte ich nicht. Meine Freundin begleitete mich, falls sich nach der Spritze eine Reaktion bemerkbar machen würde. Es war um diese Zeit noch hell, das Wetter war uns hold und so fuhr ich seit langem mal wieder weiter, als bis nach Gießen oder Bad Nauheim.

In Büdingen angekommen, gestaltete sich alles reibungslos. Der Parkplatz war ziemlich voll, aber ich fand noch ein Plätzchen. Überall waren Hinweisschilder angebracht, die mir den Weg wiesen. Meine Freundin musste draußen warten. Der ganze Ablauf in der großen Halle, die in mehrere, kleine Zellen unterteilt war, war gut organisiert und nach 15 Minuten Wartezeit war ich endlich an der Reihe.

Bis dahin hatte ich mich zweimal ausweisen müssen. Die vorher ausgefüllten Unterlagen gab ich ab. Von Papierkrieg konnte keine Rede sein. Die Angaben zu meiner Person und den Vorerkrankungen waren durchaus nachvollziehbar.

Während ich so da saß, mit mir warteten Menschen unterschiedlichen Alters, bekam ich so einiges mit. Es waren nicht nur ältere Leute, sondern auch Studenten und viele Jüngere, die einfach gekommen waren, um einen nicht eingehaltenen Impftermin zu übernehmen.

Der Arzt, der mir die Spritze mit Moderna in den Arm setzte, machte noch ein Witzchen über mein Alter und zack, war ich geimpft. Ich hatte zwar den Einstich gespürt, aber dass sich die Nadel in mein Fleisch bohrte, merkte ich nicht.

Nach zwanzig Minuten Ruhepause durfte ich gehen. Der Parkwächter winkte uns noch freundlich zu und hinterließ bei mir den gleichen guten Eindruck, wie alle anderen Mitarbeiter dort. Alle waren unglaublich freundlich und verbreiteten eine gute Stimmung.

In den nächsten Tagen war es mir etwas schwummrig, aber es war keineswegs beängstigend. Von mehreren Bekannten erfuhr ich von unterschiedlichen Reaktionen, die aber alle nach ein paar Tagen verschwunden waren.

Was mir allerdings Sorgen bereitet, ist mein unglaubliches Verlangen nach Süßigkeiten. Nachdem ich alle Vorräte aufgebraucht hatte, fiel ich über das nächste Lebensmittelgeschäft her und deckte mich mit weiteren Süßigkeiten ein. Hoffentlich ist diese Reaktion nicht auf die Impfung zurückzuführen

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