· 

Susann Barczikowski: Kaffee gegen Nebenwirkungen

Corona hat Nebenwirkungen. Also selbst, wer sich nicht mit Covid-19 angesteckt hat, wie ich zum Beispiel, bleibt eventuell von Nebenwirkungen nicht verschont. Corona macht müde, unglaublich müde. Mich jedenfalls. Nicht dass ich jetzt falsch verstanden werde: Ich bin natürlich unglaublich froh, dass ich bisher gesund – wirklich gesund – durch diese Krise gekommen bin. Aber seit etwa einem Jahr und etwas mehr als einem Monat bin ich oft unglaublich müde. Und auch traurig. Ja, oft bin ich richtig traurig.

Diese ständigen Diskussionen um Maßnahmen, um Öffnungen und Schließungen, um Notbremse, Einschränkungen der Bürgerrechte, Notbremse, Schnelltest, PCR-Test, Selbsttest, um Testcenter und Impfzentren, Impftermine und Impfquoten, um Infektionsschutzgesetz, Notbremse und Einschränkungen der Bürgerrechte und vorübergehende Schließungen. Diese Diskussionen sind unglaublich ermüdend.

Wir sind mitten in einer Pandemie, und es gibt bisher keine Blaupause dafür, wie wir am besten damit umzugehen haben. Wir müssen uns also auf Erkenntnisse der Wissenschaftler verlassen, die das Virus erforschen, die Fakten prüfen und Fälle modellieren, wir müssen uns an Forschungsergebnisse, die auf methodisch-systematisch gesammelte Daten zurückgreifen und theoretisch gewonnene Überlegungen, verlassen.

Wir sind mitten in einer Pandemie, und die Politik hat keine Blaupause dafür, wie sie am besten mit der Krise umzugehen habe. Die Politik müsste sich also viel stärker auf Erkenntnisse der Wissenschaftler verlassen und diese verständlich kommunizieren. Und dann müssten die erforderlichen Maßnahmen beschlossen und erklärt werden. Und genau hier wird es unendlich ermüdend. Denn jetzt kommen auch noch die Bürokratie, das Recht und die Gewalt ins Spiel. Nicht nur die Maßnahmen, die zur Bekämpfung der Pandemie ergriffen werden, die vordergründig ein chaotisches Hin- und Her, ein skurriles, oft nicht nachvollziehbares Sammelsurium von Geboten und Auflagen, Lockerungen und vermeintlich willkürlichen Schließungen sind und die gewaltbereite Querdenker und braunes Gesocks zur Stimmungsmache gegen die Demokratie aufrufen. Das macht mich traurig, richtig traurig.

Schaut denn hierzulande eigentlich niemand mehr über den Tellerrand? Nach Spanien, England oder Portugal? Nach Israel? Impfen am Strand, in der Bar – alles ist möglich. Dahinter steht gemeinschaftliches Handeln vor dem Egoismus des Einzelnen. Und hatten die Menschen dort nicht einen unglaublich viel härteren Lockdown über Wochen und Monate über sich ergehen lassen müssen? Ausgangssperren, Kontaktverbote, keinen Sport im Freien, nichts, aber auch gar nichts war mehr erlaubt. Okay, jetzt könnte man wieder mit Zahlen und Fakten argumentieren, mit Corona-Toten und überlasteten Kliniken, mit fehlendem Sauerstoff und schlechter medizinischer Versorgung in diesen Ländern. Man könnte es aber auch sein lassen und einfach mal schauen, wie es in dort jetzt aussieht. In Italien zum Beispiel oder auf Mallorca.

Dort kann man nämlich wieder einen Kaffee trinken gehen, an einem Tisch in einem Café aus richtigen Tassen. Das hilft. Auch gegen die Corona-Müdigkeit.

Foto: Susann Barczikowski

Kommentar schreiben

Kommentare: 0