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Petra Ihm-Fahle: Testen, testen, testen

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Anfang des Monats war ich überrascht, als eine Freundin mit schwerstbehindertem Partner mich bat, einen Schnelltest zu machen, bevor ich zu ihr zu Besuch ging. Sie warf mir den Test in den Briefkasten ein. Ich dachte zunächst, dass es sicher schwierig sei und ich stundenlang Anleitungen lesen müsse. Aber Nicole schickte mir sogar einen Link zu einem Erklär-Video. 

 

Ich setzte mich vor den Laptop und begann mit dem Test, dessen Durchführung sich als recht einfach und logisch erwies. Bald war klar, dass ich negativ war, also nicht Corona-infiziert und ruhigen Gewissens den Besuch machen konnte.

 

Vor wenigen Tagen nun musste ich wegen meiner Thrombose zur Blutuntersuchung in die Kerckhoff-Klinik. Kurz vorher erhielt ich einen Brief, in dem mich das Krankenhaus bat, einen freiwilligen Schnelltest zu machen. Ich wurde dazu in einen Wartebereich geschickt und nach einer Weile aufgerufen. Während ich auf das Ergebnis wartete, bekam ich mit, wie eine Pflegerin mehrere Patienten fragte, ob sie vor ihrer Untersuchung einen Test möchten. Alle lehnten ab, was ich nicht nachvollziehen kann und rücksichtslos finde. 

 

In Zukunft müssen wir uns aufgrund der Bundesnotbremse sowieso öfter testen lassen, etwa um ein Fachgeschäft zu betreten oder zum Friseur zu gehen. Das ist schon krass - ich gehe doch nicht erst zur Teststation, weil ich zum Friseur will. Da verzichte ich lieber auf den Haarschnitt. Allemal, da die Schlange der Teststation am Parkdeck Sprudelhof täglich länger wird. Es stört mich ein wenig, da ich dort oft an den Wartenden vorbei muss, um zu meinem Auto zu gelangen. Die Leute stehen in der Regel bis zur Tür der Garage.

 

Und so werden es viele Bürger halten, solch einen Ort nicht ohne Not aufzusuchen. Insofern verständlich, dass teilweise gegen die Bundesnotbremse geklagt wird, denn der Einzelhandel dürfte nun vollends in die Knie gehen. 

 

Im Netto-Markt habe ich mir kürzlich fünf Tests für zusammen 20 Euro gekauft. Sie gelten zwar nicht als Nachweis, um zum Friseur zu gehen, aber zur eigenen Beruhigung habe ich gern so etwas vorrätig. 

 

Laut Deutschem Journalistenverband gehören Journalisten übrigens in die Priorisierungsgruppe 3, womit ich mir angeblich meinen Impftermin holen könne. Darauf wies der DJV vor einigen Tagen per E-Mail hin. Na ja. So an exponierter Stelle arbeite ich nun auch wieder nicht, sage ich mir. Ich bin mir wegen der Impfung eh unsicher, da ich die Thrombose hatte oder vielleicht sogar noch habe. Aber ehe ich ständig zum Testen muss, bevor ich irgendwo hineindarf, werde ich wohl den Piks vorziehen.

 

Einstweilen aber noch nicht. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Dagmar (Mittwoch, 28 April 2021 08:37)

    Liegt es an uns selbst, dass wir nur noch für uns selbst vorteilhafte Entscheidungen treffen? Wenn der Test mir nichts bringt, dann mache ich ihn nicht!? Dass wir Entscheidungen auch manchmal FÜR die Gemeinschaft, oder in Deinem geschilderten Fall im Krankenhaus, für die Sicherheit des Klinikpersonals machen, vergessen wir kollektiv. Wäre jetzt nicht endlich die Zeit gekommen, wieder ein kollektives Denken zu entwickeln? Wir legen ja auch wert darauf, dass wir jederzeit, auch selbst in einer dritten Corona-Welle unsere Anwendungen und Behandlungen in Krankenhäusern und Arztpraxen erhalten. Da sind wir uns selbst wieder am allernächsten.
    Danke Petra, für diese Sicht und leider für diese bittere Pille.
    Aus meiner Sicht kann ich nur unterstützen: Testen, testen, testen.

  • #2

    Petra (Mittwoch, 28 April 2021 10:09)

    Liebe Dagmar, herzlichen Dank für dein Feedback. Viele Grüße, Petra