Nina Elflein: Kinderkrankengeldtage

Ich lebe mit den Kindern allein erziehend und würde uns selbst als Ein-Eltern-Familie bezeichnen. Ja. Das trifft‘s eigentlich ganz gut. Mit Blick auf Corona bedeutet das: Die Kinder und ich sind hier und wir machen HomeSchooling und Wechselunterricht und ich arbeite in Teilzeit. Also zumindest dann, wenn die Kinder im Wechselunterricht sind. Und ab hier wird das ganze ein bisschen wie diese Erzählungen von der Tante, die eine Schwester hat, deren Cousine vom Nachbarn gehört hat, das dessen Mutter und um was geht es hier eigentlich?

 

Seit Februar haben gesetzlich versicherte Eltern einen Anspruch auf ein erhöhtes Kinderkrankengeld, um die von der Schulschließung betroffenen Kinder zu Hause zu betreuen und unterrichten zu können. Kinder werden dafür nicht krankgeschrieben, sondern von Seiten der Schule bestätigt, dass keine Schule ist und das wird wiederum der Krankenkasse gemeldet. Ich war im Februar sehr erleichtert. Bei der ersten Schulschließung habe ich Minusstunden* aufgebaut, um die Betreuung gewährleiten zu können – wie erwähnt: Ein-Eltern-Familie. Und ich habe Monate damit zugebracht, die Minusstunden wieder abzuarbeiten. Ob des erweiterten Kinderkrankengeldes war ich daher sehr erleichtert.

 

Das was bedeuten die Kinderkrankengeldtage denn jetzt konkret? Nun, die Kinderkrankengeldtage wurden verdoppelt. Mir als Alleinerziehende stehen nunmehr anstatt 20, 40 Tage zu. Für das eine Kind zumindest. Denn die Altersgrenze für die Bewilligung liegt bei 12 Jahren.

 

Bedeutet das, dass Kinder mit dem 12. Lebensjahr sich selbst organisieren und betreuen können?

Nun ja. Geschenkt.

 

Das erweiterte Kinderkrankengeld kann rückwirkend bis Januar beantragt werden. Dazu wird ein Antrag ausgefüllt und diesem galt es die Schulbescheinigung mit Daten zum ausgesetzten Präsenzunterricht beizulegen. Was wochenweise entschieden wurde. Und ab hier wird es schon ein wenig komplizierter. Denn zu dem hier zu Hause im HomeSchooling sein, bin ich mit dem Kinderkrankengeld eine kommunikative Dreiecksbeziehung mit Schule, Krankenkasse und mir bzw. meiner Arbeitgeberin eingegangen. Aber auch so weit, so gut. Ich freue mich ja, dass ich keine Minusstanden sammeln muss. Und ich freue mich auch darüber, dass ich weiterhin ein Einkommen verbuchen kann. Mit der langsamen Schulöffnung und den Wechselunterricht, galt es aber eine neue und weitere Hürde zu nehmen. Meine Arbeitszeit neu organisieren und die anderen notwendigen Tage bei der Krankenkasse beantragen. Konkret heißt das bei meinem tageweisen arbeiten und dem tageweise in die Schule gehen der Kinder, dass ich nicht mehr pro Woche, sondern einzelne Tage einen Antrag auszufüllen hatte. Heute habe ich dann Post bekommen. Sieben einzelne Briefe meiner Krankenkasse. Für jeden Tag einen.

 

Unter dem Strich heißt das, ich bin dankbar für das erweiterte Kinderkrankengeld. Ich erlebe das Kinderkrankengeld als einen immensen Verwaltungsakt. Auf allen Ebenen. Denn involviert sind das Steuerbüro meiner Arbeitgeberin, die Krankenkasse und ich. Und zwar zusätzlich, zu all dem, was ohnehin schon mehr läuft.

 

Nun ja. Immerhin verzichtet die Krankenkasse mittlerweile auf die Schulbescheinigungen.

 

 

 

 

*wie lustig die freudschen Synapsen sind,

die in der ersten Version hier tatsächlich ein „Überstunden“ reingezaubert haben.

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