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Petra Ihm-Fahle: Aggression im Netz

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Meine Autorenfreundin Antje hat mir einen Artikel der Süddeutschen Zeitung in den Briefkasten geworfen, der Titel lautet "Jetzt knallt's" und handelt von den momentanen Aggressionen in den sozialen Netzwerken. Anlass war eine Bemerkung, die ich über eine große Facebook-Gruppe und die zunehmende verbale Gewalt dort machte. 

 

Ich habe die Gruppe 2018 gegründet und das Angebot mit zwei anderen Persönlichkeiten zu einem Cyber-Treffpunkt mit mehreren tausend Mitgliedern aufgebaut. Gefühlt stehe ich dort alle zwei Monate im Shitstorm. Gemobbt wurde bereits ab Anfang 2019, doch wie mir scheint, haben die Aggressionen seit der Corona-Pandemie besonders an Heftigkeit zugenommen. Ich könnte viele Beispiele nennen, ebenso wie die zahlreichen Versuche, mit den gehässigen Kommentaren und Feindseligkeiten fertigzuwerden. Das ist sehr schwierig. Ich habe schon überlegt, mich abzumelden oder die Facebook-Gruppe aufzugeben, aber im Grunde ist das keine Option. 

 

Die Frage ist, wieso sich die Nutzer sozialer Netzwerke so verhalten. Laut der Süddeutschen Zeitung haben Hassreden während der Covid-19-Krise explosionsartig zugenommen. Als mögliche Gründe nennt Sozialpsychologin Barbara Krahé Frust, Ängste, Überforderung und fehlende Ausgleichsmöglichkeiten. Treffen im Café gibt es derzeit nicht. Bei solchen Gelegenheiten ließe sich auch mal Belastendes erzählen und es täte gut, die bestärkenden Worte des Gegenübers zu hören. Sportmöglichkeiten, die Stress abbauen, sind weniger geworden. Spannende Aktivitäten, die auf andere Gedanken bringen, existieren so gut wie nicht mehr.

 

Langeweile dürfte daher ebenfalls ein Faktor sein, denn beim Wortgefecht im Netz schießt der Adrenalinpegel hoch, was belebend wirkt. Das kenne auch ich. Wie gut, dass unser Autorenclub eine Aktivität gefunden hat, trotz der Pandemie verbunden zu bleiben, um Erlebtes zu dokumentieren und verarbeiten.

 

Laut Sozialpsychologin Krahé dürfte das Wutbürgertum auch wieder abnehmen, vorausgesetzt, es eröffnen sich Perspektiven für ein Pandemie-Ende. Doch ob das in absehbarer Zukunft vor der Tür steht, glaube ich eher nicht.    

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Kommentare: 1
  • #1

    Nina (Mittwoch, 24 März 2021 11:01)

    Hallo Petra,

    finde ich gut, dass Du das ansprichst.

    Mir ist in dem letzten halben Jahr auch schon direkte Hassrede auf meinem Twitter Account begegnet. Im letzten Jahr wurde mir "empfohlen" ich solle mir die Gebärmutter entfernen lassen und Anfang diese Woche wurde mir erklärt, dass es schade sei, dass a) es keine Abtreibung gäbe und später dann noch b) das meine Eltern Geschwister seien.

    Auffällig finde ich dabei, dass die Beleidigungen und der Hass sich auf (meine) Weiblichkeit beziehen bzw. auf das Kinder kriegen/haben. Womöglich liegt das ganz banal daran, dass ich mich zu eben diesen Themen auch geäußert habe - schließlich soll der Angriff mich treffen und so hat jeder sein ganz eigenes Ich-Spetrum, auf das andere ihren Hass projezieren.

    Ich habe die Beiträge angezeigt.
    Ich gebe mich mit Hass nicht zufrieden.
    Auch dann nicht, wenn er sich gegen andere richtet.
    Das ist wie aufräumen - eben online.

    Wenn ihr mit aufräumen wollt und Hass melden wollt, könnt ihr das bei HateAid. Denn Hass ist keine Meinung, vor allem dann nicht, wenn er justiziabel wird <3

    https://hateaid.org/