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Sigrun Miller: Wege aus dem Shutdown

Bild: Stefan Keller auf Pixabay
Bild: Stefan Keller auf Pixabay

Jeden Tag gegen Mittag renne ich hinaus vor die Tür zu meinem Briefkasten in der Hoffnung, dort einen Brief mit der Benachrichtigung für einen Corona-Impftermin vorzufinden. Es hieß: „Innerhalb der nächsten drei Wochen werden sie von uns über die Impfmaßnahmen, Ort, Datum, Uhrzeit in Kenntnis gesetzt.“ Zwei Wochen sind schon vergangen.

 

Heute Nacht habe ich davon geträumt, dass Corona mich kurz vor dem angekündigten Termin doch noch erwischt hätte. Ich wachte auf und plante für heute die Besorgung eines Test-Kits. Natürlich waren alle diese Geräte schon nach fünf Minuten vergeben, so wie beim Discounter die Sonderangebote für Staubsauger.

 

Vermutlich muss ich mir eine besondere Taktik für den Erhalt eines der „kostenlosen“ Test-Kits ausdenken oder aber in der Apotheke eines kaufen. In den Nachrichten im Fernsehen wurden Kunden gezeigt, die den Supermarkt mit mehreren Geräten im Einkaufswagen verließen. Das erinnert mich an die Anfänge der Pandemie, als Toilettenpapier das Objekt der Begierde war.

 

Vor einer Woche nahm ich meinen Friseurtermin wahr, den ich noch zu strikten Lockdown-Zeiten ergattert hatte. Da der Salon ein kleiner Laden ist, durften nur zwei Kundinnen zur gleichen Zeit den Service in Anspruch nehmen. Ich war überglücklich, dass meine Mähne, die seit einigen Wochen in den Kragen hing, endlich verschwand und ich mich wieder beim morgendlichen Blick in den Spiegel erkannte.

 

Auch der Effekt eines kleinen Töpfchens Farbe war ganz erstaunlich. Mit anderen Worten: Sollten Sie mich in der Stadt sehen und trotz Maske erkennen - das macht alles das selige, erleichterte Lächeln in den Augen und um die Nase.

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