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Ursula Luise Link: Schämen!?

„Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat ungewöhnlich deutliche Kritik an Kritikern des Astrazeneca-Impfstoffs geübt. Es habe zu viele vorschnelle Warnungen gegeben, sagte Habeck der RTL/n-tv-Redaktion. ‚Alle, die davor gesagt haben, das Zeug lasse ich mir nicht spritzen, die sollten sich schämen.‘ Astrazeneca sei ein sehr guter Impfstoff, der besser sei als sein Ruf.“

https://www.berliner-sonntagsblatt.de/Habeck-Astrazeneca-Skeptiker-sollten-sich-schaemen--222977.html

 

Das Dilemma, welches aus dem Spannungsverhältnis von gesamtgesellschaftlichem Nutzen, dem Gemeinwohl und persönlichem Interesse, der individuellen Betroffenheit und damit Angst und Skepsis resultiert, ist so alt wie die Impfgeschichte selbst.

 

Zum Beispiel die Pockenkrankheit.

 

Die Pocken waren die erste Krankheit, bei der versucht wurde, Individuen durch absichtliche Infektion mit anderen Erregern zu immunisieren (Variolation), in Indien und China bereits um 1000 v. Chr. Eine Lady Montagu infizierte ihre eigenen Kinder mit der Körperflüssigkeit von leicht Infizierten, weil sie Berichte über dieses Vorgehen aus dem Osmanischen Reich gehört hatte.

Ab 1770 wurde durch Beobachtung erkannt, dass Melkerinnen gegen Menschenpocken immun geworden waren, nachdem sie die relativ harmlosen Kuhpocken gehabt hatten. Der englische Landarzt Edward Jenner erfuhr von Ärzten, mit denen er in Kontakt stand, dass Personen anscheinend nicht auf eine Pocken-Variolation ansprachen, wenn sie vorher an Kuhpocken erkrankt waren. Jenner stellte daher die Hypothese auf, dass eine Inokulation (das Einbringen von Krankheitserregern, Gewebe, Zellmaterial in einen Organismus) mit Kuhpocken dieselbe Immunität ermögliche wie eine überstandene Erkrankung daran und daher Schutz vor den Pocken böte. Jenner entnahm infektiöse Flüssigkeiten von der Hand einer mit Kuhpocken infizierten Magd und führte diese durch Kratzen in den Arm eines acht Jahre alten, gesunden Jungen ein. Dieser entwickelte Symptome einer Kuhpocken-Infektion, von der er danach vollständig genas. Achtundvierzig Tage später führte Jenner eine Pocken-Variolation (absichtliche Infektion mit Pocken-Erregern) durch. Der Junge entwickelte keine Pockensymptome. Er überlebte. 

Ein nicht unwesentlicher Schritt in Richtung Ausrottung der Pockenkrankheit war getan. Ein großer gesamtgesellschaftlicher Nutzen …

 

Einzelinteressen zu haben und zu artikulieren – in einer pluralistischen Demokratie ist das selbstverständlich und selbstverständlich erlaubt!

 

 

 

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