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Rita H. Greve: Föderalismusproblem

 

Alle paar Wochen sitzen die Länderchefs mit der Kanzlerin zusammen und debattieren über die Corona-Lage. Jedes mal heißt es, dass man eine einheitliche Lösung herbeiführen möchte. Und was kommt letztendlich dabei heraus? Jedes Bundesland hat seine eigene Strategie zu Lockerungen oder erneuten Schließungen.

Nicht verwunderlich, dass die Bürger immer weniger verstehen, was das ganze Hin- und Her eigentlich soll. Es ist viel Dampf im Kessel, was wahrscheinlich auch ein Grund dafür ist, dass sich die Politik von der 35er Inzidenz verabschiedet hat und sogar bereit ist, zu lockern bis zu einer Inzidenz von 100. Kein Wunder, dass Karl Lauterbach wieder einmal warnt vor zu viel und unkontrollierten Öffnungen, die möglicherweise bald wieder zurückgenommen werden müssen, wenn die Inzidenzzahlen wieder steigen. Gut möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich, dass eine dritte Welle auf uns zurollt.

Und dagegen hilft eigentlich nur eines: Impfen, impfen, impfen!  Aber auf diesem Gebiet war von Anfang an und ist immer noch der Wurm drin. Es geht einfach nicht voran.

Das Serum von AstraZeneca liegt auf Halde, weil es viele ablehnen, da es angeblich weniger schützt als andere Impfstoffe, was völliger Unsinn ist. Es gibt genug Menschen, die sich damit impfen lassen würden. Aber die Politik ist in dieser Hinsicht wenig flexibel und klammert sich an die Priorisierung.

 

Ist eigentlich jemals hinterfragt worden, zu wieviel Prozent eine Grippeimpfung schützt? Es sind etwa 62-65%. Und dennoch lässt sich jeder bedenkenlos damit impfen. Irre oder? 

Der Impfstoff von AstraZeneca schützt immerhin bis zu 78% und fast ganz Großbritannien ist bereits damit geimpft.

 

Dann das Testen – eine Strategie, die viel früher hätte erfolgen müssen (Tübingen hat doch vorgemacht, dass es geht). Damit hätte viel Leid verhindert werden können. Von den jetzt anlaufenden Selbsttests halte ich nicht viel. Handelt es sich dabei doch nur um Momentaufnahmen, die höchstens vier bis fünf Stunden aussagekräftig sind. Das reicht beispielsweise, um Oma und Opa mal zum Kaffee trinken zu besuchen. Nach dieser Zeitspanne kann es schon wieder ganz anders aussehen. Man müsste sich eigentlich jeden Tag testen, um eine gewisse Sicherheit zu haben. Kaum durchführbar.

 

Am meisten Angst habe ich jedoch vor der Unvernunft der Menschen, die das Testen als Freibrief für unvorsichtiges und leichtsinniges Verhalten auffassen könnten. 

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