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Sigrun Miller: Impftermin?

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Vor 37 Jahren erhielt ich eine Niere von einem jungen Mann, der vierzehn Jahre jünger war als ich und durch einen Unfall ums Leben kam. Zuvor war ich sechs Jahre lang an der Dialyse.     

 

Heute habe ich mit dem Nephrologen der Transplantationsambulanz in Frankfurt gesprochen in der Hoffnung, Näheres über meinen Impftermin zu erfahren. Diesen Professor kenne ich seit über vierzig Jahren. Er war damals Assistenzarzt an der Frankfurter Uniklinik, als die Patienten noch ihre künstlichen Nieren nach der Reinigung und Sterilisierung selbst zusammenbauen und an die „Waschmaschine“ zur Blutreinigung anhängen mussten.

 

Nach acht bis neun Stunden wurde man wieder abgehängt und zur Heimfahrt entlassen. Heute sind die Maschinen kleiner und bei weitem nicht so laut, die künstlichen Nieren ähneln einem elektrischen Quirl und werden nach vierstündigem Gebrauch entsorgt.

 

Der Nephrologie-Professor, mittlerweile ein lieber Freund geworden, freute  sich wie immer, wenn ich mich meldete und ihm bestätigte, wie gut es mir mir geht. Auf meine Frage zu einem Impftermin erklärte er mir, dass ich nicht zur Nummer eins der Hochrisikopatienten gehöre, sondern zur Nummer zwei.

 

Mit einem Lächeln in der Stimme machte er mir klar, dass ich erstens noch keine achtzig Jahre alt wäre, und dass es mir außerdem unverschämt gut ginge. Er würde mich schriftlich informieren, wann, wo und wie ich dran wäre.

 

Wir plauderten noch eine Weile über gemeinsame Bekannte sowie den Verbleib früherer Ärzte und Krankenschwestern. Schließlich versprach ich ihm, in nächster Zeit der Ambulanz einen Besuch abzustatten.

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