· 

Rita H. Greve: Brot und Spiele

Foto: Pixabay
Foto: Pixabay

Die Assoziation "wie im alten Rom" kommt mir unweigerlich, wenn ich an die Machenschaften rund um den Profifußball denke. 

Jetzt haben doch tatsächlich einige Politiker festgestellt, dass etwas nicht stimmt mit der bisherigen Vorgehensweise.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat dem Fußball wegen der weiter geplanten Austragung von Champions-League-Spielen während der Corona-Beschränkungen Realitätsferne vorgeworfen. Die Tatsache, dass alle in Einschränkungen leben und die Mannschaften nun quer durch Europa jetten würden, sei kein gutes Signal.

 

Recht hat er! Es wäre ein stärkeres Signal, wenn Fußballspiele verschoben oder ganz ausfallen würden. Das ist auch mal verzichtbar in dieser Situation. Der sportliche Wettbewerb darf keinesfalls an erster Stelle stehen. Aber wieso merken unsere Politiker erst jetzt, was in der hochbezahlten Fußballszene läuft? Mit "Brot und Spielen" die Bevölkerung bei Laune halten? Ist es das?

 

Wegen der Corona-Beschränkungen wurde das Spiel im Achtelfinale der Champions League zwischen RB Leipzig und dem FC Liverpool am 16. Februar von Leipzig nach Budapest verlegt. Auch Manchester City wird wegen der hochansteckenden britischen Coronavirus-Mutation wohl nicht zum Spiel bei Borussia Mönchengladbach acht Tage später einreisen dürfen. Auch diese Partie könnte dann in Budapest ausgetragen werden.

 

Was ist das alles für ein Irrsinn!

 

Am Sonntag hatte sich bereits der SPD-Politiker Karl Lauterbach gegen Reisen von Profisportlern ausgesprochen. "Wir sollen derzeit alle auf Reisen verzichten, diesen Appell hat auch die Bundeskanzlerin gesetzt, und ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum wir da für einen Profizirkus eine Ausnahme machen sollten", sagte Lauterbach.

 

Dem kann ich nur vorbehaltlos zustimmen.

Es hat mich von Anfang an geärgert, dass für gewisse Sportler Ausnahmen gemacht werden, während alles andere geschlossen ist bzw. nicht stattfindet.

 

Jetzt höre ich alle aufjaulen, die jedem Spiel auf dem Sofa vor dem Fernseher entgegenfiebern.

 

Aber m. E. ist jegliche Ausreise in andere Länder und die Wiedereinreise aufgrund der neuen Mutationen des Virus zu viel. Die Spieler umarmen sich, von Abstand keine Spur, es wird gefeiert, auch vor den Fußballstadien.  

Ja, sie werden ständig getestet. Und die vielen Tests fehlen anderswo, wo sie dringend gebraucht würden. Das ist höchst ungerecht. Eigentlich müssten auch alle diese jungen Spieler geimpft werden, wenn sie ins Ausland fliegen, um zu vermeiden, dass sie Überträger des Virus sind, wenn sie wieder zurückkommen. In Anbetracht der hiesigen Diskussion um die Impf-Priorisierung und den Schutz der Risikogruppen wäre dieses Vorgehen ethisch äußerst bedenklich. Diese Impfdosen fehlten wieder dort, wo sie vorrangig vonnöten sind.

 

Neuester Vorstoß von Karl-Heinz Rummenigge: Alle Spieler sollten geimpft werden, da sie Vorbild für die impfmüde Bevölkerung sein würden. Unter diesem Vorwand die Profisportler bevorzugen zu wollen ist einfach dreist.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0