· 

Ursula Luise Link: Ein gemeinsames Ziel ...

oder doch nicht?

Ein Notstand, wie ihn die Covid-Krise darstellt, ebnet vordergründig alle Interessensgegensätze ein. Gemeinsam, alle in einem Boot, Hand in Hand – wollen alle nur das gleiche, nämlich, dass das Virus so schnell wie möglich besiegt oder wenigstens beschränkt wird. Wie immer zeigen sich bei näherer Betrachtung Unterschiede, bereits bei der Beurteilung der Krankheit, noch mehr bei der Bewertung und den Alternativen der zu ergreifenden Maßnahmen.

 

https://de.statista.com/infografik/23756/gesamtzahl-der-todesfaelle-im-zusammenhang-mit-dem-coronavirus-in-deutschland-nach-alter/

 

„Ältere Bundesbürger sind von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Wie die Statista-Grafik auf Basis von Zahlen des … RKI zeigt, sind rund 89 Prozent der Personen, die im Zusammenhang mit dem Corona-Virus verstorben sind, zum Zeitpunkt des Todes älter als 69 Jahre gewesen. … Der Anteil der Todesfälle in der Altersspanne von 0 bis 49 Jahren beträgt lediglich 0,8 Prozent.“ Der Anteil der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus lag in der Altersgruppe 0-9 Jahre bei 0,02 %, in der Altersgruppe 10-19 Jahre bei 0,004%. Ganz generell waren Menschen mit Vorerkrankungen stärker betroffen.

 

Von Anfang an wurde deshalb bei der Entscheidung für die Lockdowns die Parole von der Solidarität mit den Alten ausgegeben. Kinderpsychiater allerdings warnen schon lange vor deren Folgen für Kinder und Jugendliche. Der bekannte Neurobiologe Gerald Hüther meldete sich am 24.1 im Deutschlandfunk zu Wort.

 

https://www.deutschlandfunk.de/schulschliessungen-kontaktbeschraenkungen-co-neurobiologe.1939.de.html?drn:news_id=1219660&utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

 

„Der Hirnforscher Gerald Hüther warnt vor dramatischen Konsequenzen der Corona-Schutzmaßnahmen für die soziale und neurobiologische Entwicklung von Kindern. … Wenn Kinder über eine längere Zeit gegen innere Bedürfnisse ankämpften – etwa jemanden in den Arm zu nehmen, zu spielen oder sich zu bewegen – dann würden die Motivationszentren im Hirn mit hemmenden Verschaltungen geradezu eingekapselt. Damit sei das Bedürfnis nicht mehr spürbar. Kinder versuchten, den Erwachsenen alles recht zu machen, sei es Abstand zu halten oder die Großmutter nicht in den Arm zu nehmen. Nach einer gewissen Zeit gewöhnten sie sich daran, und verspürten auch den Wunsch nach einer Umarmung nicht mehr. Diese Entwicklung sei nicht ohne weiteres reparabel. Das gelte auch generell für die Freude am Zusammensein mit anderen Menschen sowie am spielerischen Lernen, die Kinder vor allem in Schule und Kindergarten entwickelten. Durch die Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen sei ihnen dieses wichtige Lernfeld genommen. … Er habe große Sorge, dass in der Pandemie eine Generation junger Menschen heranwachse, die die eigene Lebendigkeit als Kind nicht mehr erfährt und sich später auch nicht mehr daran erinnern könne. …“

 

Solidarität mit den Alten versus Schadensbegrenzung für Kinder und Jugendliche – nur eines von zahlreichen Dilemmata. Priorisierung: schwierig …

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0