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Jule Heck: Quarantäne

Foto: Jule Heck
Foto: Jule Heck

Seit einer Woche befinde ich mich in selbstgewählter Quarantäne. Aber nicht wegen Corona glücklicherweise, sondern wegen einer OP an meinem linken Fuß. Nachdem ich kaum noch auftreten konnte, hatte mein Orthopäde mir eine OP vorgeschlagen. Meine Mittelfußknochen am linken Fuß waren zu lang und meine Zehen begannen sich zu krümmen. Nichts Tragisches, aber schmerzhaft.
Ich dachte mir, jetzt, wo man sowieso nicht ausgehen kann und es noch winterlich kalt ist, nutze ich die Zeit. Dann bin ich wieder fit, wenn es wärmer wird und der Lock Down hoffentlich vorbei ist.

 

Also rückte ich zwei Tage später in eine Gießener Klinik ein. Die Orthopädische Abteilung sei noch nicht mit Corona-Patienten belegt und ich solle die Chance nutzen, bevor sich die Situation ändern könnte, riet mir mein Arzt.

 

Ich hatte kaum Zeit, mich auf irgendetwas vorzubereiten. Die OP verlief gut, das Pflegepersonal war ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, meine Zimmernachbarin sehr nett. Nach zwei Tagen durfte ich die Klinik wieder verlassen.

 

Seitdem sitze ich in meinem Wohnzimmer auf der Couch und schaue abwechselnd zum Fenster in den meist trüben, regnerischen Himmel oder in mein Buch. Ich lese viel, ab und zu schaue ich auch mal fern, aber leider ist das Programm schlecht oder man hört nur Schreckensnachrichten über Corona. Das trägt nicht gerade zur Aufheiterung der Stimmung bei. Wenigstens wird man jetzt nicht mehr ständig mit den Schreckensnachrichten über Trump belästigt.

 

Aber ich denke trotzdem positiv und glücklicherweise habe ich keine Schmerzen, weil ich mich möglichst an die Empfehlung meines Arztes halte und das Bein hochlege. Das Ganze soll jetzt sechs Wochen dauern. So lange darf ich das Haus nur zum Besuch beim Arzt verlassen, damit er den Verband wechseln und mir die Fäden ziehen kann. In drei Wochen wird dann noch ein Draht aus meinem Zeh gezogen. Klingt schrecklich. Sieht auch komisch aus, weil das Ende des Drahtes aus dem Zeh herausragt.

 

Meine Freunde meinen es gut mit mir und versorgen mich mit Essen, führen meinen Dackel aus oder leisten mir einfach zeitweise Gesellschaft. Eine Freundin, eine gelernte Krankenschwester, jagt mir jeden Tag die Thrombosespritze in mein Bauchfett. Ich kann mir selbst leider keine Spritzen geben.

 

Das alles wäre auch ganz gut zu ertragen, wenn ich mich nicht nur mit Hilfe von Krücken, man sagt jetzt ja Gehhilfen, fortbewegen könnte. Diese Dinger sind echt hinderlich und wenn ich sie dann irgendwo abstelle, fallen sie meistens auch noch um. Mein rechter Fuß, den ich belasten darf, tut mittlerweile mehr weh als der operierte.

 

Sechs Wochen lang darf ich kein Auto fahren. Das ist allerdings eine echte Strafe für mich. Aber ich hoffe, dass ich mich auf diese Weise nicht mit dem Virus anstecke und ich die Zeit bis zur Impfung gut überstehe. Aber ich kann nun gut nachvollziehen, wie es den Leuten geht, die sich gezwungenermaßen in Quarantäne befinden.

 

Nun warte ich auf den angekündigten Schneesturm, der für Sonntag angekündigt ist und auf hoffentlich bessere Nachrichten in Bezug auf die Neuinfektionen und Todeszahlen wegen Corona.

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