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Ursula Luise Link: Oh ihr Zeiten ...

und Gebräuche!

 

Ich erinnere mich noch an die Sonntage meiner Kindheit. Als jüngste von drei Töchtern fiel mir lange die Aufgabe zu, meine Eltern bei ihren sonntäglichen Verwandtenbesuchen zu begleiten. Oh Mann, wie öde! Für meine Eltern allerdings schien es immer wieder eine besondere Aktivität zu sein, für die man sich fein machte; Papa im Anzug, Mama in einem Kleid oder Kostüm. Das Trostpflaster für mich bestand in der Tatsache, dass Tante Frieda sowie die namenlosen anderen regelmäßig einen sonntäglichen Kuchen gebacken hatten, der nun mit Bohnenkaffee für die Erwachsenen und einem Glas Milch für mich gemeinsam verzehrt wurde.

 

Sonntägliche Verwandtenbesuche, Anzug und Kostüm, selbst gebackener Kuchen – das alles gehört schon länger in die Mottenkiste der Vergangenheit. Blazer und Jackett, Hemd oder Bluse, vielleicht mit einer edlen Jeans kombiniert, nicht.

 

Welche Mode bringt nun der Lockdown hervor? Die Stylistin von Frauke Ludowig gab letzte Woche im Fernsehen Auskunft darüber. Im Angesicht von Home-Office und geschlossenen Kultureinrichtungen sei die Jogginghose das bevorzugte, meist getragene und adäquate Kleidungsstück.

 

Oh Mann, wie vergesslich diese Leute sind! Sagte nicht Karl Lagerfeld vor einigen Jahren, wer Jogginghose trage, habe die Kontrolle über sein Leben verloren?

 

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