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Sigrun Miller: Schneematsch

Foto: Jacques1032 auf Pixabay
Foto: Jacques1032 auf Pixabay

Es ist Montag. Ich habe kein Brot, kein Obst und keine Kaffeekapseln mehr. Also Jacke, Schuhe und Maske an und ab zum Kaufmann. Das lassen die Corona-Regeln ja zu. Ich stecke meine Nase aus der Haustür: Der Himmel ist bedeckt mit einem edlen Mausgrau, die Straße ist trocken, es weht ein leichter, kühler Januarwind. Für dieses Wetter bin ich gerüstet und hüpfe in mein Auto.

 

Es ist kaum Verkehr auf den Straßen, eine einsame Schneeflocke fällt auf meine Windschutzscheibe. Binnen kurzer Zeit habe ich mein Ziel erreicht und kann gleich beim Eingang parken. Die wenigen Kunden sehen alle gleich aus mit ihren FFP2-Masken. Im Geschäft laden die fast leeren Gänge heute ein, sich ein bisschen über die neue Anordnung der Waren nach dem Umbau zu informieren.

 

Und schon bin ich wieder wieder draußen. Allerdings hat mittlerweile der graue Himmel seine Schleusen geöffnet, und während ich im Geschäft gestöbert habe, hat es heftig geschneit, und es ist glatt. Ich befreie meine Fenster von der Sichtbehinderung und mache mich auf den Heimweg.

 

Auf der Schnellstraße befinden sich jetzt mehr Autos als vorher, alle wollen nach Hause ins Warme, dicht hinter mir ein Polizeiwagen. Vor mir ein Pkw mit schneebedecktem Dach, das sich Stück für Stück durch den Fahrtwind auf mich entleert. Ich versuche dem Schneegestöber auszuweichen, ganz vorsichtig, einmal links einmal rechts. Jetzt muss ich links abbiegen, der Schneewerfer fährt geradeaus, die Polizei folgt mir.

 

Nach einiger Zeit überholt mich der Polizeiwagen und gibt mir zu verstehen, dass ich anhalten soll. Ich fahre rechts in einen Feldweg, kurbele mein Fenster herunter und frage den Beamten nach seinem

Befinden und Begehr. Er fragt mich, warum ich auf der Schnellstraße Zick-zack fahre. Ich nehme an, er vermutet, dass ich mir vielleicht ein Glas Hochprozentiges am frühen Morgen gegönnt habe.

 

Dann erkläre ich ihm meine Situation hinter dem Schneewerfer und halte ihm die verlangten Autopapiere sowie meinen Führerschein unter die Nase. Mittlerweile ist auch die mit ihm im Auto sitzende Kollegin erschienen und verfolgt mit großem Interesse unser Gespräch.

 

Wir einigen uns, dass Schnee im Straßenverkehr lästig ist, und ich verspreche ihm, nie, nie, nie wieder im Winter bei Gefahr von Schneefall und glatten Straßen mein Auto zu benutzen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Barbara Künstler (Samstag, 23 Januar 2021 11:51)

    Na, NIE NIE NIE.....habe ich auch mal gesagt und dabei "geschwindelt". Schön geschrieben.