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Nina Elflein: Eine Schulwoche voller #CareArbeit

Foto: Nina Elflein
Foto: Nina Elflein

Die zweite Schulwoche beginnt. Die erste Schulwoche ist geschafft. Ich bin erleichtert, weil die zweite Schulschließung und die sich das Homeschooling anders als im letzten Jahr gestaltet. Die Schule war vorbereitet, hat sich Gedanken gemacht und wir haben ein Konzept. Ab der fünften Klasse gibt es für die Schüler:innen in kleinen Gruppen einen halbstündigen Input per Zoom mit anschließender Zeit, um eine Aufgabe zum Unterricht zu bearbeiten. Im Anschluss daran, kommt die Gruppe nochmals zusammen und präsentiert die Ergebnisse. Es gibt auch Fremdsprachenunterricht mit den jeweiligen Lehrer:innen und mein großes Kind erarbeitet sich den Schultag in diesem Format selbstständig. Das ist eine echte Erleichterung für mich, weil ich Zeit habe, um dem jüngeren Kind den schulischen Rahmen zu bieten, damit auch die Aufgaben auf den Arbeitsblättern gerechnet und geschrieben werden.

 

Dass ist ja das, was mir in der ersten Schulschließung fehlte. Der Rahmen. Der damit einhergehende Halt fehlte dem einen oder dem anderen Kind abwechselnd, da ich immer nur eines begleiten konnte. Mit dem Konzept jetzt habe ich Zeit zu beobachten, wie sehr mein jüngeres Kind meine Anwesenheit braucht. Ich übernehme nicht die Rechenaufgaben und diktiere auch nicht auf, was zu schreiben ist. Ich sitze daneben, lese die Aufgabe vor, rechne selbst eine davon. Meinem Kind fehlen die Mitschüler:innen, die mit im Raum sind und das Schulgebäude und dass die Schule eben ein anderer Ort als zu Hause ist. Deswegen gehen wir vor der Schule einmal raus – fahren mit dem Rad, gehen eine Runde durch den Wald oder laufen am Morgen zu der Lehrerin, um uns das Aufgabenblatt abzuholen. Wir simulieren uns einen Schulweg und atmen frische Luft. Dann mit geröteten Wangen fangen wir mit den Aufgaben an.

 

In der Pause lümmeln wir uns auf das Bett und ich lese vor. Nach dem Mittagessen ist wieder draußen Zeit. Ich bin dann meistens schon sehr müde und freue mich auf einen zweiten in Ruhe Kaffee. Dass ich derzeit nicht erwerbsarbeiten kann, ist eine Erleichterung für die zunehmenden Aufgaben der #CareArbeit. Ich sorge dafür, dass der Rahmen für die Schule gewährleistet ist, dass entsprechende technische Geräte bereitstehen. Ich sorge dafür, dass die Stimmung nicht kippt, dass die Kinder motiviert sind und fange die stark eingeschränkten sozialen Kontakte auf. Ich sorge als Alleinerziehende allein dafür und achte auf meine Pausen, damit ich auch weiterhin die #CareArbeit leisten kann. Ich schreibe bewusst "leisten", weil das eine echte Leistung von uns Familien und Einelternfamilien ist.

 

Die Pandemie zeigt wieder ganz klar, „dass vorübergehend praktisch alles geschlossen werden kann, nur nicht, was mit der unmittelbaren Sorge für das tägliche Leben zu tun hat“ und ich wünsche mir, dass die Prioritäten zur Unterstützung in der Politik neu gedacht werden.

 

Alles andere wäre Informationsresistent!

 

 

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