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20. Dezember

Foto: Susann Barczikowski
Foto: Susann Barczikowski

O, du fröhliche

 

 

„Klirrende Kälte und mit Schnee überzuckerte Tannenwipfel, Brat-Apfelduft und Kerzenschimmer …“

 

„Hör auf! Ich kann dieses verkitschte Weihnachtsgedöns langsam nicht mehr ertragen“, empört er sich mit lauter Stimme.

 

„Ich hätte es aber gerne so …so romantisch, wie im Film“, flötet sie mit leiser Stimme und betrachtete die gläserne Spieluhr. Schneeflocken und goldener Glitzer, tanzende Engel im Schneegestöber. Leise summt sie „Stille Nacht“.

 

In ihm zieht sich was zusammen. Hitze steigt ihm in den Kopf. Seine Fäuste ballen sich. Mit hochrotem Kopf erhebt er sich aus dem Sessel, dann geht er mit zusammengekniffenen Augen auf sie zu. Fast blind vor Aufregung lang er ein Messer aus dem Messerblock. Die große Klinge blitzt im Licht der Küchenlampe auf. Einen kurzen Augenblick hält er inne. Dann schnellt das Messer in seiner Hand hinunter. Schnell wie eine Guillotine. Und trifft.

 

In den Laib. Krachend bricht die dunkle Schokolade, und der Duft von Marzipan strömt ihm in die Nase. Er steckt sich ein Stückchen von der süßen Masse in den Mund. O, du fröhliche … Die goldenen Engelchen drehen sich im Kreis. Leise rieselt der Schnee.

 

 

Eskalation unterm Weihnachtsbaum

 

Als Jahrespeak für häusliche Gewalt gilt die Weihnachtszeit. Dann steigt die Anzahl der Notrufe, die bei Frauenhäusern eingehen, um bis zu 40 Prozent. (Quelle: www.journal-frankfurt.de/journal_news/Gesellschaft-2/Haeuslich). Die Fassaden der Familienidylle seien nicht selten eher notdürftig gezimmert, bestätigt die Psychologin Juliane Arnold. Diese Fassaden brechen regelmäßig unter dem Tannenbaum zusammen. Eine offizielle Statistik gibt es bisher nicht.

  

Süßes nicht nur zum Fest

 

44.000 Tonnen Süßigkeiten landeten 2018 in den Taschen der Weihnachtseinkäufer, heißt es bei marktforschung.de. Das sind etwa 9 Kilogramm pro Person im Jahr, hat die Hans-Böckler-Stiftung errechnet. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Marzipan- und Zimtleckereien liegt seit Jahren bei etwa 840 Gramm pro Jahr.

 

Text: Susann Barczikowski

 

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