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Sigrun Miller: Weihnachtsgeschenke

Foto: Rita H. Greve

 

Vor zehn Jahren wünschten sich meine Enkelkinder zu Weihnachten ein Geschenk von der langen Liste, die sie schon im November angefertigt und ihrer Mutter überreicht hatten, für den Fall, dass eine der Omas nach den diesjährigen Wünschen fragen sollte. Meistens ging es dabei um Brettspiele, um 500er oder 1000er Puzzle, ein außergewöhnlich verrücktes Kleidungsstück, das die beste Freundin schon mit erhobener Nase in rot trug, und das die Mutter als unmöglich erachtete.

Mein Enkelsohn wünschte sich in diesen Zeiten einen komplizierten Baukasten für einen F 1 Boliden oder desgleichen für einen Tornado, ein Kriegsschiff oder ein Raumschiff, die dann an Heiligabend zusammen mit dem begeisterten Papa stundenlang aufgebaut wurden.

  

Heute wünschen sich die Kinder Geld für eigene Vorhaben und Pläne. Für alle Beteiligten eine unkomplizierte Angelegenheit. Ich muß nicht mehr mit anderen Müttern oder Omas durch „Toy`s are us“, Kaufhäuser oder das Internet schleichen, um einzukaufen, mich inspirieren zu lassen und evtl. schwere Pakete und möglicherweise Corona nach Hause zu schleppen.

 

Die Erwachsenen reagieren ähnlich:

„Ach, wir haben doch alles.“

Meine Schwägerin vom Ruhrpott erfreut mich mit dem Satz:

„Nein, bitte nicht noch ein “Steh-rüm-chen!“

 

Ich kann sie alle verstehen. Wir leben in einem reichen Land. Wer etwas braucht, geht in das entsprechende Geschäft, um es zu sich kaufen und wartet nicht bis Weihnachten, um es sich schenken zu lassen.

 

Und doch ! Ich freue mich über ein liebevoll eingepacktes Buch, eine Tüte selbstgebackener Plätzchen, die vielen handgeschriebenen Weihnachtskarten und die Flasche Sekt von der Apotheke.

 

Frohe Weihnachten und alles Gute für 2021.

 

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