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12. Dezember

Foto: Dagmar Reichardt
Foto: Dagmar Reichardt

SLOW CHRISTMAS oder: wofür Rituale gut sein können

 

Wie zu keiner anderen Zeit zelebrieren wir so sehr die Wiederholung von von Abläufen, von Dekorationen und Verabredungen, wie in der Advents- und Weihnachtszeit, oder?! Ertappt Ihr Euch nicht auch beim Auspacken der Kisten mit Weihnachtsschmuck und Kerzenständern, den zahlreichen Engeln, Sternen und Herzen zum Hinhängen dabei, wie in Euch Erinnerungen lebendig werden? Und doch ist in diesem Jahr so vieles anders. Tut es nicht gerade deshalb jetzt gut, die geliebten Gewohnheiten für diese besinnliche Zeit einkehren zu lassen? Es hat etwas Beruhigendes, diese immer wiederkehrende Zeit vor Weihnachten.

 

Was ich besonders gern habe, um in diese Stimmung zu kommen, ist eine bestimmte Sorte Räucherstäbchen. Sie sind bestimmt für diesen Moment des Schmückens. Kennt Ihr das? Zimtsterne, Lebkuchen und Stollen – sie duften durch unsere Räume und transportieren schöne Erinnerungen zurück. Auch die Adventskerzen, die wir jeden Adventssonntag anzünden, sind Teil dieses Weihnachtsrituals. Sie schenken uns eine Wärme, eine Geborgenheit und eine Nähe zu unseren Lieben, die wir im Moment kaum so nah erleben können. Ich glaube, mit genau diesen Ritualen schafft es die Weihnachtszeit wie keine andere Zeit im Jahr, uns einzufangen und ein wenig glücklich zu machen. Übrigens bestimmt ein gutes Gegenmittel, um sich nicht ständig auf die neuen Infektionszahlen, veränderte Lockdown-Beschränkungen und Kontaktverbote fokussieren.

 

Doch gerade in diesem vorweihnachtlichen „Lockdown light“ liegt auch eine Chance. Vieles geht nicht, wie Verabredungen mit dem großen Freundeskreis auf den schönsten Weihnachtsmärkten der Region, Weihnachtsfeiern fallen aus oder finden nur in einer verkürzten Sequenz online statt. Viele Termine, die uns sonst so wichtig waren, werden auf ihre aktuelle Machbarkeit überprüft und werden – im Zweifelsfalle – eher gestrichen. Aber genau das birgt auch eine Chance: Dieses eine Mal können wir, statt wie in jedem Jahr der Hektik der Vorbereitungen zu verfallen, ein wenig mehr zur Ruhe kommen.

 

Ich plädiere deshalb für eine entschleunigte Weihnachtszeit in diesem Jahr! Was haltet Ihr davon? SLOW CHRISTMAS. So still und leise und leicht, wie Schneeflocken vom Himmel fallen, so wünsche ich mir die Zeit bis Weihnachten. Leicht, luftig und leise. Damit ich hören kann, was mir meine Erinnerungen erzählen wollen, wenn ich mit meinen ersten Weihnachtsplätzchen zum heißen, duftenden Gewürztee gemütlich auf dem Sofa sitze. Und sonst nichts mache. Wenn ich mit meiner Schwester telefoniere und mich mit ihr auf Weihnachten freue, auf unseren Plan, wie wir trotz der Beschränkungen ein schönes Familienfest feiern können, dann haben wir jetzt viel Zeit für uns. Und dann fühlt es sich doch an wie in jedem Jahr. Wenn ich die alte Weihnachts-CD auflege, die meine Kinder früher so gern gehört haben, fliegt ein Lächeln über mein Gesicht. Schrecklich schön. Und so Weihnachten!

 

Text: Dagmar Reichardt

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