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Jule Heck: Advent, Advent, die Bude brennt

Foto: Rita H. Greve
Foto: Rita H. Greve

 

Advent, Advent, die Bude brennt!

Ja, so ist der Advent bei mir in den letzten Jahren, im übertragenen Sinne, gewesen. Natürlich hat es nicht gebrannt, aber ich bin von einem Termin zum anderen gehetzt, habe viele Lesungen und Einladungen angenommen, Konzerte und Weihnachtsmärkte besucht. Dieses Jahr ist nun gar nix, alles abgesagt.

Wenn ich das Jahr 2020 Revue passieren lasse und meinen Kalender anschaue, dann sehe ich nur Streichungen. Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle meine vorbestellten Lesungen abgesagt, und ich habe den Termin durchgestrichen. Auch die Ferienreisen und Besuche von Konzerten und Musicals wurden gestrichen. Bis auf Einkäufe und Besuche bei meinen Kindern hatte ich nur wenige persönliche Kontakte. Im Sommer hin und wieder mal ein Besuch von Freunden auf der Terrasse und Spaziergänge mit meiner Freundin und meinem Dackel durchs angrenzende Feld. 

Vieles ist über Mails, Telefonate oder WhatsApp gelaufen oder eben auf Abstand im Freien. Ich habe gelernt an Videokonferenzen teilzunehmen, sogar eine Lesung auf YouTube gehalten und an einem virtuellen Adventskalender teilgenommen. Jeden Dienstag sitze ich abends vor dem Laptop und nehme an einem virtuellen Stammtisch der Landfrauen teil. Tolle Sache, sehr interessant. Ich freue mich schon die ganze Woche darauf. Es ist dieses Jahr alles anders, ungewohnt, und Organisationstalent ist gefragt.  Aber was soll`s, ich bin immer noch gesund und habe auch vor, gesund zu bleiben.

Ich hatte mir mal überlegt, das Jahr 2020 aus meinem Gedächtnis zu streichen. Aber das ist Blödsinn. Es gehört genauso dazu, wie all die anderen unbeschwerten Jahre. Es ist eine neue Lebenserfahrung, einmal festzustellen, dass nicht immer alles so reibungslos läuft. Deshalb nehme ich mir nun Zeit in der auferlegten Einsamkeit und Stille, über mein Leben und Tun nachzudenken. Man lernt sich auf einmal besser kennen und erfährt etwas über das, was wirklich wichtig ist. Es muss nicht immer noch mehr sein, noch größer, noch besser. Das einzig Entscheidende und wirklich Wichtige in unserem Leben ist die Gesundheit die meiner Familie und mir nahestehenden Personen. Und die gilt es zu schützen. 

Ich halte es mit dem Spruch des expressionistischen Lyrikers Ernst Stadler: „Mensch werde wesentlich, denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.

 

In diesem Sinn wünsche ich allen eine behütete Adventszeit.

 

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