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Rita H. Greve: Ein Quantum Hoffnung

 

„Vielleicht ist es ja doch möglich, mit ganz viel Forschereinsatz und einem Quäntchen Glück  das Ziel noch in diesem Jahr zu erreichen. Das wäre dann wirklich der ganz große Durchbruch."

Das war der letzte Satz meines Blog-Beitrags am 28. Juni 2020 mit dem Titel: „Großer Durchbruch?“ , in dem es um die Forschung an Impfstoffen und Medikamenten ging.

 

Jetzt (nach nur einem halben Jahr) scheint es tatsächlich soweit zu sein: Der Impfstoff ist gefunden, und Großbritannien hat als erstes europäisches Land am Dienstag damit begonnen, seine Bevölkerung zu impfen. Als erstes geimpft werden Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen sowie über 80-Jährige und besonders gefährdetes medizinisches Personal.  Eine 90-Jährige aus Coventry bekam als erste die Impfung verabreicht und empfahl jedem, sich impfen zu lassen. Lt. einer Vereinbarung mit der britischen Regierung sollen 30 Millionen Dosen des Impfstoffes geliefert werden. Premierminister Boris Johnson sprach von der größten Massenimpfung in der Geschichte Großbritaniens. Wegen der komplizierten Lagerung bei minus 70 Grad soll der Impfstoff aber zunächst nur in 50 Kliniken im Land verabreicht werden. Später werden weitere Zentren hinzukommen.

 

In der EU und den USA prüfen die zuständigen Behörden noch die Zulassung.

Es stehen drei Impfstoff-Kandidaten kurz vor einer möglichen Zulassung – von Biontech/Pfizer, Moderna sowie von AstraZeneca. Alle drei haben nach Angaben der Unternehmen in abschließenden Studien eine hohe Wirksamkeit gezeigt. Schwerwiegende Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten, heißt es. Die Firmen Biontech/Pfizer sowie Moderna haben Anträge auf eine Zulassung gestellt. Jetzt prüfen die Behörden in der EU (die Europäische Arzneimittelagentur, EMA) und in den USA (FDA). 

Die EU hat sich bereits die Lieferung von bis zu knapp zwei Milliarden Dosen gesichert. Sie hat entsprechende Vereinbarungen mit mittlerweile sechs Unternehmen getroffen. Deutschland stehen dem Bevölkerungsanteil entsprechend davon 18,6 Prozent zu. Das wären etwa 365 Millionen Dosen. Hinzu kommen bilaterale Vereinbarungen mit den deutschen Herstellern Biontech, Curevac und IDT Biologika.

 

Mittlerweile laufen hierzulande die Vorbereitungen für das Impfprogramm. Nach einer Zulassung sollen möglichst schnell Millionen Menschen geimpft werden können. Dafür werden bereits Impfzentren eingerichtet. Eine große Herausforderung ist die Lagerung und der Transport. Denn der Impfstoff von Biontech/Pfizer muss bei -70 Grad aufbewahrt werden. Die anderen beiden aussichtsreichen Kandidaten können bei höheren Temperaturen gelagert werden (Moderna: -20 Grad, AstraZeneca: 2 bis 8 Grad).

 

Nach Umfragen zu urteilen, wollen sich bisher 52% der Menschen in Deutschland impfen lassen. Damit ließe sich aber kaum eine Herdenimmunität erreichen. Viele Menschen sind skeptisch und wollen erst einmal abwarten. Welche Nebenwirkungen sind möglich und schützen die Impfungen (es muss ja zweimal geimpft werden) wirklich vor dem Virus? Und heute ist der Presse zu entnehmen, dass die Briten alle Allergiker vor dem Impfstoff warnen. Es gibt also noch eine Menge offener  Fragen.

 

Aber trotz aller Skepsis kann man sagen, dass der "ganz große Durchbruch" tatsächlich geschafft ist. Denn kaum jemand hat wohl wirklich daran geglaubt, dass die Forschung das Ziel, einen Impfstoff herzustellen, noch in diesem Jahr erreichen würde. Doch dank des großen Forschereinsatzes haben wir nun dieses Quantum Hoffnung, dass bis Ende des nächsten Jahres das Virus besiegt sein wird.

 

Screenshot: Rita H. Greve

 

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