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Nina Elflein: Weihnachten mal anders

Foto: Nina Elflein
Foto: Nina Elflein

Ich bin ein Winterkind. Kurz vor Weihnachten habe ich Geburtstag. Wenn ich Menschen davon erzähle, kommt oftmals die Reaktion: "Ach, das war als Kind bestimmt doof."

Dabei denke ich: "Und als Mutter erst."

 

Seit meinem Eltern sein, ist meine Weihnachtsstimmung eine Art Etappenlauf. Erst einmal die Wohnung auf Hochglanz bringen, "damit der Weihnachtszauber Raum hat." Was jungen Müttern in Kindergruppen so erzählt wird. Doch das ist ein anderes Thema. Aus eben einer solchen Gruppe habe ich das Sterne falten. Nächste Etappe. Adventskalender. Zwei Stück basteln, dann befüllen, heimlich in der Nacht zum 01.12. aufhängen. Den Adventskranz nicht vergessen. An den Sonntagen bei Kerzenschein Weihnachtsplätzchen backen. Weihnachtsgeschenke kaufen, verpacken, verstecken. Dann noch eine letzte vorweihnachtliche Etappe. Meinen Geburtstag feiern. Bevor sich bei mir Weihnachten einstellt, feier ich erst einmal Geburtstag. Eine goldene Regel lautet: Ist ein Geschenk in Weihnachtspapier verpackt, dann ist es ein Weihnachtsgeschenk. Punkt. Zugegeben, die auch heute noch geltende Regel hat einen trotzigen Charakter. Vielleicht empfand ich das vor Weihnachten Geburtstag haben, als Kind doch doof. Als Mutter empfand ich die Weihnachtszeit lange als Anstrengung.

 

In den letzten Jahren hat sich das mehr und mehr verändert. Wir erleben die Adventszeit bereits im dritten Jahr mit einem von meinem Sohn gebundenen Adventskranz. Ich stresse mich nicht mehr mit geputzten Fenstern. Unser Weihnachtszauber glänzt auch bei regenfleckigen Fenstern. Den Sternen macht das auch nichts aus. In diesem Jahr haben wir uns dazu entschieden, auf einen gefällten Weihnachtsbaum zu verzichten. Wie heuchlerisch wäre fridays for future mit tot geschlagenem Weihnachts-Baum im Raum?

Ein, „dass haben wir schon immer so gemacht“ fühlt sich für mich nicht richtig an. Auf lange Sicht gesehen, empfinde ich Dynamik und Veränderung als angenehm. Auch wenn Veränderungen erst einmal zwicken mögen. Die Schritte auf neuem Terrain sind womöglich ungewohnt und vielleicht sogar holprig, das Künftige liegt im Ungewissen. Ich glaube, dass macht auch vielen Menschen jetzt während Corona zu schaffen. Entsprechend unserer Wesenszüge reagieren wir unterschiedlich auf diese Ungewissheit, von geduldig bis Verschwörungen erzählend.

 

Das alles nimmt natürlich Einfluss auf unser diesjähriges Weihnachten. Ich habe von der einen oder dem anderen schon gehört, dass bei ihnen keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen will. Für mich ist das um den zweiten Advent quasi normal und doch habe ich angefangen, es bei mir gemütlich und warm zu gestalten. Und ich beobachte auch bei anderen Menschen im Laden eine Veränderung.

 

Ich habe Freundinnen im November eine Sprachnachricht geschickt und sie davon in Kenntnis gesetzt, dass sie von mir kein Weihnachtsgeschenk bekommen werden. Ich habe ihnen ein Geschenk für die Adventszeit beschert. Ich selbst wurde auch überrascht. An mich wurde eine Gemüsekiste gelost. Eine Freundin hatte mich vorgeschlagen und wir freuten uns dann beide. Ich freute mich über die tollen Lebensmittel. Sie freute sich, weil ich auf ihren Vorschlag hin ausgelost wurde. Ich finde das schön, dass beschenken und an einen denken. Das "an einen denken", beobachte ich auch im Laden. Da werden viel mehr Weihnachtskarten gekauft. Zwölf oder 15 Karten auf einmal zu kaufen, ist in diesem Corona Jahr nichts Besonderes. Vor allem aber keine Seltenheit. Ich stelle mir dann vor, wie Menschen sich Zeit nehmen, zu Hause am Tisch sitzen. Wie sie sich einen Kaffee, Tee oder Kakao bereiten, es sich gemütlich machen, dabei an Freunde denken und ihnen schreiben. Zu sich kommen, abwarten, Tee trinken und Karten schreiben. Für mich klingt das nach Weihnachtszauber. Obgleich wir gar nicht sicher sagen können, wie hoch die Ansteckungszahlen morgen sind und ob die Zahlen nach den Feiertagen vielleicht in die Höhe schießen und dann vielleicht – ja was eigentlich?

 

Zu sich kommen, abwarten, Tee trinken und Karten schreiben.

 

Das wünsche ich Dir. Dass Du wem schreiben magst. Vielleicht kannst Du auch von einem lieben Menschen lesen? Ich wünsche uns, dass wir gesund durch die noch kürzer werdenden Tage kommen. Und ich freue mich auf die Wintersonnenwende. Lasst uns den Umbruch der längsten Nacht feiern. Ich mache das auf jeden Fall. Und danach ist auch schon bald Weihnachten.

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Kommentare: 3
  • #1

    Ulrike (Dienstag, 08 Dezember 2020 10:43)

    Danke, wieder ein wunderschöner Text.
    Es ist wichtig, sich ein wenig Zeit zu nehmen und in Ruhe diese Zeit zu genießen.

    Die Natur geht zur Ruhe und auch wir Menschen sollten dem folgen.
    Eines der schönsten Dinge in dieser Zeit für, mit einer Tasse Kakao und einem Weckmann gemütlich sitzen und die Hektik des Jahres langsam auszublenden und zu beenden. Das ist für mich heute der Beginn der Weihnachtszeit.

    Als Mutter gab es noch viele andere Dinge zu tun, eines davon war Puppen und Plüschtiere "aus dem Verkehr zu ziehen" und zu reparieren, in neue Kleider zu stecken damit sie am Heiligabend wieder strahlend und ganz unter dem Weihnachtsbaum liegen konnten. Noch heute eine schöne Erinenrung.

    EIne shcöne Weihnachtszeit mit einem wunderschönen Weihnachtsbaum.

  • #2

    Dagmar (Donnerstag, 10 Dezember 2020)

    Danke für diese wunderbaren Gedanken. Ich schließe mich Dir an, wir gehen auch andere, neue Wege. Von manchen Ritualen trenne ich mich nicht so leicht, aber gerade in diesem Jahr, in dem wir vermutlich in ganz anderer Konstellation zusammensitzen, können auch neue Ideen ausprobiert werden. Und ohne Weihnachtsmärkte und sonstige kulturelle Möglichkeiten sind die Abende jetzt erfreulich ruhig. Und ich stelle überrascht fest: auch ich schreibe mehr und habe auch schon Adventspäckchen verschickt. So kann ich in Ruhe an jeden einzelnen denken und ihm Zeit schenken. Ohne das Gefühl, eine "Etappe" abgearbeitet zu haben. Was ich auch nur zu gut kenne!

    Herzliche Vor-Weihnachtsgrüße

  • #3

    Claudia (Dienstag, 29 Dezember 2020 12:26)

    Wie wunderschön und sooo weise!