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Rita H. Greve: Hilfloser Versuch

Foto: Rita H. Greve
Foto: Rita H. Greve

 

Neue Corona-Maßnahmen für Weihnachten und Sylvester sind beschlossen, m. E. aber leider nicht konsequent genug. Eine klare Linie vermag ich nicht zu erkennen, sondern überwiegend wieder nur Appelle an die Vernunft der Menschen. Was diese Appelle nützen, ist in der Vergangenheit mehr als einmal deutlich geworden.

 

Das Virus kennt kein Weihnachten und kein Sylvester. Auch Mediziner kritisieren die geplanten Lockerungen über die Feiertage. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, geht sogar soweit zu sagen, dass „Weihnachten zu einem Fest mit einem Todesrisiko für manche Menschen“ werden könnte.

 

Betrachtet man beispielsweise die Regelungen für die Schulen, kann man sich wirklich nach dem Sinn fragen. Und das nicht nur, was die Ferien betrifft, die in fast allen Bundesländern am 19. Dezember, also vier Tage früher als üblich, beginnen sollen. Da stellt sich die Frage, was diese vier Tage bewirken sollen. Einen Ferienbeginn am 16. Dezember, der auch angedacht war, könnte man noch nachvollziehen. In dem Fall hätte die „Selbst-Quarantänezeit" immerhin acht Tage betragen und die Chance wäre gewahrt gewesen, die Zahl der Kontakte direkt vor den Feiertagen stark zu verringern, immer vorausgesetzt, diese Zeit würde auch zur Selbstquarantäne genutzt.

 

Wenn nicht – wegen vorweihnachtlicher Erledigungen, Einkäufe etc. – kann das anstehende Familienfest auch mit einer achttägigen Selbstquarantäne nicht als sicherer angesehen werden.

 

Simone Scheithauer, Direktorin des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektiologie an der Universität Göttingen, hebt einen wichtigen Faktor deutlich hervor: "Das Grundproblem ist, dass bei Weihnachtsfeiern im Familienkreis genau die Personengruppe mit der höchsten Sterblichkeit bei Erkrankung, die (Ur-)Großeltern, in Kontakt mit vielen, nicht nur Kindern kommen, von denen die Jüngeren auch oft asymptomatisch infiziert sein können", sagt sie.

 

Denn es ist mittlerweile Tatsache, dass die Coronainfektionen bei Schülern und Lehrern zuletzt stark angestiegen sind, in Rheinland-Pfalz von 98 Fällen im Oktober auf 522 Fälle Anfang November, um nur ein Beispiel zu nennen. Eine derartige Vor-Selbstquarantäne wäre schon eine sinnvolle Maßnahme, um die Weihnachtsfeiertage möglichst risikoarm zu gestalten. Es ist jedoch zu bezweifeln, ob fünf Tage ausreichen, zumal nicht davon ausgegangen werden kann, dass sich alle Menschen daran halten werden.

 

Fazit: Ob jetzt fünf oder acht Tage eher. Frühere Ferien helfen nur unter einer Bedingung: einer freiwilligen Selbst-Quarantäne und zwar für alle Beteiligten, Eltern und Kinder.

 

Für mich stellt sich wieder einmal – wie bereits zur Konfirmation meines Enkels im Oktober – die Frage: kann ich mit meiner Familie Weihnachten feiern oder nicht. Im Oktober ist alles gut gegangen, und wir hatten ein schönes Fest. Bei der derzeitigen Ausgangslage ist das Risiko jedoch als sehr viel höher zu bewerten und folglich die Angst noch größer geworden.

 

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