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Petra Ihm-Fahle: Lob dem Gesundheitswesen

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Am Samstag stolperte ich über eine Bordsteinkante und brach mir den Arm. Zuerst war ich nicht sicher, ob wirklich eine Fraktur vorliege, beschloss dann aber sicherheitshalber, ins Krankenhaus zu gehen. Ich rief an.

 

„Ich fürchte, ich habe mir den Arm gebrochen. Wie ist das während der Corona-Krise, kann ich einfach in die Klinik kommen?"

 

„Mit Maske können Sie in die Notaufnahme kommen."

 

Außer mir waren nicht viele Patienten dort. Ich fragte den Pfleger: „Ist es zur Zeit weniger?"

 

„Nein, es ist, als hätten wir kein Corona."

 

Wir sprachen über dies und das, beispielsweise die Prämie, die das Pflegepersonal erhalten soll. Bisher hatte er noch nichts bekommen, aber er hoffte darauf. Wie aus einem Zeitungsbericht kürzlich hervorging, zahlt der Bund die Prämie nur für ca. 15 Prozent der Hospitäler. Der Klinikkonzern, zu dem das Krankenhaus gehört, gewährt den Mitarbeitern das Geld daher aus eigenen Mitteln. Ich erzählte dem jungen Mann von dem Buch „Euren Applaus könnt ihr euch sonst wohin stecken".

 

„Das kann man fast so sagen", erwiderte er.

 

Ich hatte Respekt vor seiner Arbeit. Er hatte Nachtdienst und würde noch viele Stunden da sein. Fachmännisch legte er mir den Gips an, für ihn vielleicht Routine, für mich etwas Entscheidendes. 

 

Anschließend musste ich ein zweites Mal zum Röntgen, zwischendurch bekam die Radiologie-Schwester einen Anruf. „Corona nervt mich", schmunzelte sie. 

 

"Wieso?"

 

Wie sie erzählte, werde der komplette Raum desinfiziert, wann immer ein Corona-Patient geröntgt werden muss. Danach könne dort eine Stunde nichts passieren, d. h., alle anderen Patienten müssen warten. Das passiere momentan mehrfach am Tag, so wie auch gleich. Man röntgt die Lunge der Corona-Kranken. Während der Behandlung muss sie sich einen Schutzanzug anziehen.

 

Das Wort „Corona" hörte ich oft an diesem Abend, denn mit dem typischen Medizinerhumor klopfte das Personal Sprüche. Die nächsten zwei Tage musste ich erneut zur Untersuchung. Wie mir dabei auffiel, hielten die anderen Patienten wenig Abstand. Maximal ein Meter, man musste schon etwas aufpassen. Wer mir diesbezüglich leid tut, ist das Personal. Ob sie wollen oder nicht, sie können keinen Abstand halten, sondern müssen nah an den Patienten heran.

 

Ich fragte einen Arzt: „Wie ist es, wenn ich an einem Samstagabend denke, ich könnte Corona haben? Darf ich dann einfach ins Krankenhaus gehen und sagen: 'Hallo, ich glaube, ich habe Corona?'" 

 

Er verneinte dies und erklärte: Sollte man sich schwerstkrank fühlen, müsse man den Rettungswagen rufen (112), anderenfalls den ärztlichen Notdienst (116117), zumindest an einem Wochenende oder abends. Und unter der Woche solle man sich testen lassen, beispielsweise im Testzentrum in Reichelsheim. In jedem Fall mache es Sinn, vorher zum Telefonhörer zu greifen.

 

Ich bin angetan, wie gut es im Krankenhaus funktioniert hat; besonders gut war natürlich, dass ich nicht unters Messer musste. Nächste Woche kommt der Gips wieder ab.

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Kommentare: 6
  • #1

    Klaus Arabin (Mittwoch, 18 November 2020 20:01)

    Erstmal Gute Besserung.

    der ärztliche Notdienst hat die Rufnumer 116117, den Schrägstrich im Text finde ich irreführend. Könnte als ein "oder" verstanden werden.
    Alles Gute

  • #2

    Barbara Künstlller (Mittwoch, 18 November 2020 20:52)

    Ja, das wünsche ich auch - alles Liebe.

  • #3

    Boris Winter (Mittwoch, 18 November 2020 21:15)

    Zunächst mal "gute Heilung"! Ich hätte mir durchaus eine gewisse Einordnung gewünscht zum Thema Prämie. Warum sollte der Staat bei einem privatwirtschaftlichen, rein profitorientierten Klinikkonzern Gehaltskosten übernehmen? Es entsteht so ein wenig ein "Geschmäckle" nach dem Motto "viel versprechen - wenig halten", was hier nun aber nicht zutrifft.

  • #4

    Gabriele Busch (Mittwoch, 18 November 2020 23:01)

    Wünsche Ihnen gute Besserung.

  • #5

    Ronald Berg (Donnerstag, 19 November 2020 20:20)

    Interessanter Bericht!
    Wünsche ebenfalls eine gute Genesung!

  • #6

    Petra Ihm-Fahle (Freitag, 20 November 2020 21:33)

    Herzlichen Dank für die Genesungswünsche und das Feedback!