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Dagmar Reichardt: Helden außerhalb des Lichtkegels

Foto: Dagmar Reichardt
Foto: Dagmar Reichardt

Unvorbereitet.

Corona am Arbeitsplatz?!

Betriebsrat regelt.

 

Durch die Medien schauen wir auf viele Berufsgruppen, die in der Corona-Zeit sehr viel leisten müssen und die in der Pandemie absolut „systemrelevant“ sind. Eine Gruppe ist bisher ganz außerhalb des Scheinwerferlichts geblieben: Die Betriebsräte. Unverhofft, unvorbereitet und ohne ein Regelwerk, an das sie sich in der Pandemie halten konnten: Der Lockdown im März traf die Betriebsräte in den Unternehmen und erwischte sie eiskalt.

 

Laut Betriebsverfassungsgesetz durften Betriebsratssitzungen bis dahin nur in Präsenz stattfinden. Hätten sie sich nicht darüber hinweggesetzt – eine befristete Gesetzesänderung wurde durch Arbeitsminister Hubertus Heil umgehend aufgesetzt – wären viele wichtige Themen ungeregelt geblieben. Kurzarbeit – davon hörte man viel in der Zeit des 1. Lockdown und jetzt, im 2. Lockdown light, wieder. Wer die Konditionen über das gesetzliche Maß hinaus verhandelte, waren die Betriebsräte. Sie setzten sich in virtuelle Meetings mit Chefs und Geschäftsführungen - für viele war es die erste Begegnung mit diesem Medium – und verhandelten. Sie erkämpften Verbesserungen und klare Regelungen für ihre Kolleginnen und Kollegen. Seit März diskutieren sie über Corona-Regeln in den Betrieben, suchen gemeinsam mit den Arbeitssicherheitsfachleuten nach Lösungen. Ob es um Spritzschutz-Klarsichtwände ging, oder darum, Schreibtische zu sperren aufgrund fehlender Abstände, außerdem Mundschutzregeln bis ins kleinste Detail und für jeden Bereich zu definieren – überall war und ist der Betriebsrat in der Mitbestimmung.

Eine Zeit, die kein Unternehmen, kein Betriebsrat je erlebt hat. Eine Zeit, für die es kein Rezept gibt. Und gleichzeitig eine Flut an Themen, die zu regeln sind. Für Menschen, die klare Regeln brauchen, an die sie sich halten können. Die ihnen Sicherheit geben. Die das Unternehmen absichern, damit es gut durch diese Krise kommt.

 

Der Betriebsrat ist ein Ehrenamt. Die MitarbeiterInnen eines Betriebes wählen ihn alle vier Jahre aus ihren Reihen. Das wichtigste Instrument der Betriebsräte ist die Betriebsvereinbarung. In diesen werden betriebsinterne Regelungen klar formuliert und mit der Geschäftsleitung fest im Unternehmen verankert. Viele dieser Betriebsvereinbarungen sind in die Jahre gekommen. Sie funktionieren noch, lange hatten sie keinen Änderungsbedarf. Seit Corona ist alles anders. Arbeitsabläufe die sich ändern; Digitalisierung und virtuelle Zusammenarbeit fordern ganz neue Rahmenbedingungen. Die dauerhafte Arbeit im Home-Office ist zu regeln, aber auch Schichtarbeit und Zeiterfassung. Und vieles andere mehr. Ein Glück, dass es Betriebsräte gibt, sie vertreten in diesen Zeiten einmal mehr die Interessen der Mitarbeiter. Und wer vertritt sie? Sie bringen im Lockdown Höchstleistung. Für die Gemeinschaft, damit Wirtschaft funktioniert und Arbeitsplätze erhalten bleiben.

 

 

Ich verbeuge mich heute vor ihnen, den stillen Helden in den Betrieben. Bei allen, die sich dieser Aufgabe stellen. Mutig und kreativ. 

 

 

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