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Petra Ihm-Fahle: Entschleunigen

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Ehrlich gesagt sehne ich mich nach der Zwangspause zurück, die wir im März/April wegen des ersten Lockdowns hatten. Als nun, ab Montag, 2. November, die Obrigkeit den "Lockdown Light" verkündete, dachte ich: "Okay, du machst deine Aufträge fertig - und dann entschleunigst du." 

 

An Projekten basteln, Bücher lesen, putzen und aufräumen, mit den Katzen spielen ...es gibt soviel  Schöneres als zu arbeiten. Gestern machte ich eine Liste, was ich noch abzuarbeiten habe und - oha - ich bin mehr als eingedeckt mit Aufträgen. An eine Pause ist nicht zu denken, zumindest nicht in den kommenden Wochen. Natürlich kann man sich einen zeitweisen Stillstand nur wünschen, wenn man noch Aufträge hat. Ansonsten wäre ich vermutlich besorgt, also, eine ambivalente Geschichte. 

 

Normalerweise, wenn ich sehr viel zu tun habe, schreibe und recherchiere ich den ganzen Tag. Manchmal fällt mir dabei auf, dass geistige Tätigkeiten genauso anstrengend wie körperliche sind. Nach zwölf Stunden Schreiben denke ich: "Das ist wie im Steinbruch Steine zu klopfen."   

 

Seit ich die zwei geerbten Kater habe, ist es anders geworden. Mit ihnen entschleunige ich gezwungenermaßen zwischendurch. Da sie nicht immer im Arbeitszimmer sein können, weil sie zu gern auf der Tastatur meines Laptops herumlaufen, schaue ich alle zwei bis drei Stunden nach den beiden. 

 

Täte ich das nicht, machten sie garantiert durch Miauen auf sich aufmerksam. Fressen, spielen und kuscheln lautet das Beschäftigungsprogramm, was bis zu einer Stunde dauern kann. Freiwillig mache ich das im Grunde nicht, sondern denke auch an die verlorene Arbeitszeit, aber es gibt nun mal eine Verantwortung. Beim Kuscheln mit den Katzen schlafe ich fast immer ein, dies mehrfach am Tag. Positiver Effekt: Ich bin morgens nicht gerädert. 

 

Ein interessantes Erlebnis war, als ich vor einem Monat mit Kopfschmerzen aus dem Niddaer Parlament zurückkam. Ich warf zwei Tabletten ein, machte das Licht im Arbeitszimmer aus, legte mich dort auf das Bett und versuchte, abzuschalten.

 

Neben mir plätscherte gleichmäßig der Katzentrinkbrunnen mit blauer Beleuchtung. Vom Bett aus schaute ich ins Dunkle aufs Nachbarhaus mit seinen Lichtern. Es war eine ungewollte Pause, aber wie ein kleines Wellness-Erlebnis.  

 

Insofern denke ich, dass uns auch die große Corona-Pause unter dem Strich guttun kann - mit Abstrichen. Verallgemeinern kann man es nicht. 

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