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Sigrun Miller: Herbstgedanken

Symbolfoto: Ted Browning auf Pixabay
Symbolfoto: Ted Browning auf Pixabay

Meine Einkäufe hatte ich schneller als gedacht erledigt – was braucht eine alleinstehende Frau für eine Woche an Lebensmitteln? Jetzt blieb nur noch das überwältigende Problem:  Welchen Heimweg nehme ich heute ?

 

Die Bundesstraße B3 und dann auf die B275, der schnelle Weg, oder durch die Stadt, die Hauptstraße hoch und über den Johannisberg. Ich entschied mich für den Weg durch die Waldgasse, da die Fahrt über den Höhenweg durch eine Baustelle von einem Hindernis gesperrt war.

 

Ich fuhr ganz langsam durch die Stadt, da die Sonne sich große Mühe gab, alle Einwohner, sowie Touristen und Kurgäste nach draußen zu locken. Mit anderen Worten, Passanten, Fahrradfahrer, Schaufensterbetrachter und Eisesser genossen die letzten Sonnenstrahlen.

 

Ich wuchs in der Altstadt auf, deshalb ist der nun vor mir liegende Stadtwald mein Terrain. Die Waldgasse war damals nur geschottert und nicht asphaltiert. Das war für mich und mein Fahrrad eine holprige Fahrt, wenn ich meine Freundin besuchen wollte.

 

Ganz gemütlich schleiche ich die Waldgasse hinauf. Die Sonne bietet mir ein prächtiges Farbenbild:       Leuchtende Buchen, Ahorn, Eichenblätter, blutrote Büsche und ganz oben der blaue Himmel. Langsam fahre ich vorbei an dem Feldweg, der rechts abbiegt und sich steil den Johannisberg hochwindet, vorbei an bunten Gartenhüttchen bis zum oberen Höhenweg.

 

Dies war unsere Schlittenloipe:  Vier oder fünf Schlitten zusammengebunden, und dann von ganz oben mit Volldampf und viel Geschrei den Weg hinunter bis zur Waldgasse sausen. Was für ein Spaß !

 

Wo wohl die Spielkameraden von damals heute ihre Bahnen ziehen? Ich erreiche die Autobahnbrücke, biege rechts ab und freue mich über den herrlichen Ausblick auf die Wetterau: Langenhain, Ober-Mörlen, Butzbach, Gleiberg, Münzenberg und über allem strahlt die Sonne. 

 

Der Anblick auf dieses einmalige Panorama lässt mich für einen Augenblick die Bedrohung in Form von Corona vergessen. Muss man immer wieder daran erinnert werden, dass Schönheit und Gefahr so dicht beieinander liegen?

 

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