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Nina Elflein: Lachen ist gesund

Wie machen wir das jetzt? Die Nächte werden länger und es bleibt länger dunkel. Dann sind da Nachrichten mit rot werdenden Ampeln und steigenden Infektionszahlen. Ich finde, der November ist ein grauer und anstrengender Monat – auch ganz ohne Corona.

 

Deswegen habe ich letztens eine Entscheidung getroffen. Auf Twitter hatte ich von Trumps Wahlkampf und seinen Auftritten gelesen, mehrmals. Es gab Tweets über sein Verhalten und dann Fragen, ob er betrunken oder auf Droge sei. Das ein paar Mal zu lesen hat mir nichts gemacht. Ein paar Mal später, hat sich in mir etwas geändert.

 

Ich habe mich gefragt, was da abläuft und YouTube geöffnet. „Trump Wahlkampf“ habe ich in das Suchfenster geschrieben und eines der Videos angeklickt. Das ist ein bisschen wie Unfall gucken. Nicht faszinierend oder wohltuend, und doch zieht mich diese Irritation und Ablehnung an. Aber nach ein paar Sekunden habe ich gehandelt. Ich klickte auf ein Barack-Obama-Video mit dem Titel: "Michael Jordan Receives The Presidential Medal of Freedom."

 

Das Video habe ich jetzt schon öfters gesehen, weil das einfach so gute Laune macht. Mir gefällt der respektvolle Umgang, die Anerkennung und Wertschätzung und die Freude und das Lachen in dem Video. Obama hält eine Rede über Michael Jordan und verleiht ihm dann die Presidential Medal of Freedom. Wenn ich daran denke, wie die beiden gestandenen Männer sich freuen nebeneinander zu stehen, lächele ich und merke: DAS tut mir gut.

 

Ich weiß nicht, wie Du das jetzt machst oder für was sich die Menschen in meinem Umfeld entscheiden. Aber ich will mich nicht die ganze Zeit beschweren. Nicht mit meinen Gedanken und auch nicht mit fortwährendem Nachrichtenkonsum und schon gar nicht mit Theorien, die einem dystopischen Roman entsprungen scheinen. Ich will mich nicht an Irritationen und Ablehnungen ergötzen.

 

Und wenn der Herbst jetzt kommt und der Winter vor der Tür steht, dann ist das eine gute Zeit für Selbstfürsorge. Eine gute Zeit, um an mein Wohlbefinden zu denken und darauf zu achten, was sich gut anfühlt. Nicht, dass ich die Augen verschließen will und Pandemie und Maßnahmen, Warnungen und Ereignisse gänzlich ausblenden werde. Ich werde auch weiterhin meine Maske auf der Arbeit tragen und sagen: „Denken Sie bitte an den Mund- und- Nasen-Schutz?“

 

Ich will aber nicht in fortwährender Anspannung leben. Deswegen habe ich nach Guten Nachrichten gesucht und nach Inhalten, die mich zum Lachen bringen. Lachen ist gesund. Gefunden habe ich eine Familie aus Yorkshire. Sie hat Anfang des Jahres auf dem Bürgersteig vor ihrem Haus eine Silly Walk Zone errichtet und eine Kamera aufgestellt. Auf deren Instagram Account wurden die Videos veröffentlicht und ja, ich kann da wunderbar drüber lachen, wenn Menschen aus der Reihe tanzen und mit gangbaren Konventionen brechen, solange sie nicht auf anderen herum tanzen.

 

Jemanden die Straße wie in Monty Pythons Ministerium für alberne Gangarten entlang laufen zu sehen, ist witzig. Besonders lustig ist es, selbst mal im Ententanz und Watschelschritt durch die Straße zu laufen. Vielleicht hast Du uns ja gesehen? Mein Kind und mich. Das ist das schöne mit Kindern, die machen so einen Quatsch einfach mit, ohne nachzufragen, ob das OK ist. Hauptsache, der Quatsch fühlt sich gut an und lässt einen laut über sich selbst lachen.

 

Foto: Petra Ihm-Fahle

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Kommentare: 1
  • #1

    Dagmar (Montag, 26 Oktober 2020 09:46)

    You made my day, Nina! Auch, wenn das ein englisches Sprichwort ist, passt es jetzt gerade und strömt mir aus dem Herzen.
    #lookafteryourself #new routines #allinthistogether #socialconnection #createanewnormal