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Rita H. Greve: Eine Konfirmation 2020

Fotos: R.H. Greve

Am Samstag, 17.10.2020 konnte nun endlich die Konfirmation meines Enkels nachgeholt werden, die im Mai coronabedingt ausfallen musste, und meine Tochter und ich haben es gewagt, noch einmal nach Bayern zu fahren. Am Morgen der Konfirmation traf sich die Familie zur Abfahrt in die Kirche. Ich staunte nicht schlecht, meinen „kleinen Enkelsohn" im schicken blauen Anzug als einen recht erwachsen aussehenden jungen Mann zu erleben, der mich längenmäßig auch bereits eingeholt hat (was übrigens nicht wirklich schwierig ist).

 

Üblicherweise ist die Konfirmation das erste große Fest auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Dann kommen die ganze Familie und auch Freunde, um dieses Ereignis zu feiern. Nicht so 2020 unter den strengen Hygienevorschriften. Wegen der besonderen Corona-Bedingungen war in der Kirche an diesem Tag nur Platz für die beiden Konfirmanden, ihre Familien und Gäste. Per Livestream konnten jedoch alle Interessierten den Konfirmations-Gottesdienst miterleben.

 

Kann eine Feier mit Mund-Nasen-Bedeckung und unter weiteren strengen Hygienevorschriften überhaupt gelingen? Dass das geht, hat die Konfirmation in St. Matthäus in Augsburg gezeigt.

 

Die Konfirmanden und Konfirmandinnen wurden in Gruppen aufgeteilt, so dass an aufeinander folgenden Wochenenden nur je zwei Konfirmanden/Konfirmandinnen gemeinsam, im Abstand von etwa zwei Stunden,  konfirmiert wurden.

 

Unter Einhaltung der AHA-Regeln – Abstand einhalten, Hygienevorschriften befolgen, Alltagsmaske tragen – durfte nur eine begrenzte Zahl an Familienangehörigen und Freunden in die Kirche und hinter "ihrem/ihrer" Konfirmanden/Konfirmandin Platz nehmen. Nur jede zweite Bank war besetzt. Das „kircheneigene" Trio sang einige Lieder zu Gitarre- und Klavierbegleitung. Sonst durfte nicht gesungen werden, und es wurde kein Abendmahl gefeiert. Dennoch tat das der feierlichen Stimmung keinen Abbruch - nicht zuletzt dank des Pfarrers. Er sprach mit Eindringlichkeit und Begeisterung. Da kam etwas rüber - man spürte, dass er wirklich glaubte, was er sagte – er war einfach authentisch. Mit Lebendigkeit und Temperament stand er für ein sehr modernes, glaubhaftes Verständnis von Kirche. Ein frischer Wind, den man  sich in allen Kirchen wünschen würde, um wieder mehr Menschen für Kirche zu begeistern.   

  

Per Video wurden noch einmal die besonderen Ereignisse der Konfirmationszeit gezeigt, und im Laufe der Feier verteilten die beiden Konfirmanden als Dank Rosen an die Mütter, Väter und Paten. Die Ältesten der beiden Familien bekamen eine kleine schokoladige Aufmerksamkeit.

 

Mein Enkel erhielt die Segnung, seine Konfirmationskerze wurde angezündet, und als er seine Urkunde in Empfang nahm, fand er es – glaube ich – einfach schön, dass die Konfi-Zeit jetzt abgeschlossen werden konnte.

 

Nach der kirchlichen Feier, die etwa eine dreiviertel Stunde dauerte, wurden im nahegelegenen Schlosspark noch einige Erinnerungsfotos gemacht, bevor man nach Hause aufbrach, um bei gutem Essen am festlich gedeckten Tisch den großen Tag gebührend zu feiern. Mein Enkel hatte sich ausdrücklich eine häusliche Feier mit der ganzen Familie gewünscht. Zehn Personen hätten es sein sollen. Doch ein Gast fehlte leider. Merlins Patenonkel aus Schweden konnte coronabedingt nicht anreisen. Aber dank Skype war er immerhin für eine Weile zugeschaltet und konnte seinem Patenkind wenigstens auf diese Weise gratulieren. Lange saßen wir alle zusammen in Freude und Harmonie, ganz so wie mein Enkel es sich gewünscht hatte.

 

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