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Sigrun Miller: Herbst

Bild: congerdesign auf Pixabay
Bild: congerdesign auf Pixabay

Mein Lebensmittelpunkt ist in einem kleinen Dorf, und ich bin umgeben von hilfsbereiten, liebenswürdigen Nachbarn, die jetzt im arbeitsintensiven Herbst je nach Gesundheitszustand und Fitness ihren Garten liebevoll bearbeiten. Zum Glück hat sich keiner Corona eingefangen.

 

Ich mag die Geräusche, die mich jetzt auf meiner Terrasse erreichen: Das letzte Rasenmähen, hier und da ein paar vorwitzige Äste der Hecke auf Nachbarsseite stutzen und schließlich der Geruch von abgeschnittenem Grün, Zweigen und übriggebliebenen Herbstblumen.

 

Rotschwänzchen, Meisen und Amseln sowie ein auffallend gefärbter Buntspecht grüßen mich jeden Frühstücksmorgen an der Terrassentür, besonders der Rotschwanz verbeugt sich mindestens fünf Minuten lang, in der Hoffnung, dass ich ein paar Brotkrümel für ihn übrig habe.

 

Mein alter Apfelbaum wird wohl nicht mehr das neue Jahr erleben. Der frühere Besitzer dieses ehemaligen Obstbaumstückes hat mir erzählt, dass  manche Bäume in den Gärten der Anwohner aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts stammen. Ich werde daran denken, wenn mein Apfelbaum als Kaminholz in meinem Wohnzimmer im Winter in der offenen Feuerstelle prasselt und seinen Duft verbreitet.

 

Den alten Obstbäumen in den Nachbarsgärten wird es wohl ähnlich ergehen, denn der  ortsansässige Gärtner fährt schon recht langsam und aufmerksam mit geübtem Blick und gezückter Kettensäge durch unsere Straße, den Häcksler als Anhänger an seinem LKW. 

 

Und wenn dann im Frühjahr die Natur sich rüstet, kleine grünen Spitzen aus dem Boden sprießen, überall an den Bäumen und Pflanzen sich Knospen bilden, dann werden besonders eifrige Vögel hin- und herfliegen, um sich früh auf die neue Saison vorzubereiten.

 

Die Natur macht keine Ausnahme, lässt uns nicht im Stich, ruft uns auch nicht zu: „Dieses Jahr habe ich keine Lust, das Blühen in Gang zu setzen. Macht euren Frühling alleine!“

 

                      

Liebe Freunde, ich freue mich auf den Frühling.

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Kommentare: 1
  • #1

    Barbara (Sonntag, 11 Oktober 2020 12:04)

    Ein wunderschöner Text, aber er macht mich auch ein wenig traurig. Gibt mir das Gefühl von Abschied. Vielleicht aber auch nur mir, weil ich alleine mit meiner kleinen Hündin lebe. Wenn ich meinen kleinen Sommergarten auf die Wintermonate vorbereite, verabschiede ich mich von jedem kleinen Ac­ces­soire, Busch und meinen winterfesten Blumen mit einem Dankeschön und.....bis nächstes Jahr. Auch das macht mich traurig. Denn, ich weiß ja gar nicht ob ich das nächste Jahr noch erleben darf. Ich bin einfach nur dankbar.