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Ursula Luise Link: Der erste Kuss war anders

Bild: Doris Bauer
Bild: Doris Bauer

Ich fand ihn komisch, unseren ersten Kuss nach Corona.

Früher haben wir immer sinniert, ob gemäß dem Freiherrn von Knigge zuerst die linke oder die rechte Wange dran ist?

 

Sinnieren. Nachdenken.

Seit der Mensch das Denken erlernt hat, seit Homo sapiens seine affenähnlichen Vorfahren hinter sich gelassen hat, treiben ihn Ängste um. Vor allem Krankheit und Tod schrecken ihn. Sie schmerzen, bedeuten das Ende des Da(bei)-Seins. Nicht wenige meinen, der Tod und die Angst davor sei der Anbeginn aller Religion.

 

Seuchen sind eine Steigerung, sie repräsentieren den Super-Gau: Der Feind attackiert lautlos, man sieht, schmeckt, riecht ihn nicht, er kann überall in Stellung gehen. Oft unterscheidet die Seuche nicht zwischen Alt und Jung, tötet Kinder, Gesunde und Kranke und rafft Unzählige dahin.

 

In unserem europäischen Gedächtnis waren Seuchen bis zum globalen Corona-Ausbruch Anfang des Jahres 2020 eher ein Randphänomen, das entweder weit genug in der Vergangenheit zurück oder weit genug von uns entfernt lag. Plötzlich lauert die Seuche vor unserer Haustür und zwingt uns ihren Rhythmus auf.

Angst vor Ansteckung mit diesem äußerst virulenten Virus scheint eine sinnvolle Reaktion jedes Einzelnen zu sein, Vorsicht, Einhaltung der wohl sinnvollen Schutzmaßnahmen ebenso.

 

Wohl, anscheinend, es scheint– das sind bei einer neuen Seuche leider häufige Begriffe; man weiß es eben noch nicht so genau. Masken zum Beispiel waren zu Beginn der Krise äußerst umstritten!

Panik wäre wohl eine übertriebene und unnötige Antwort – mit katastrophalen persönlichen und gesamtgesellschaftlichen Folgen darüber hinaus:

·        Global sinkt die Todesrate ständig, immer noch sind junge Menschen viel weniger von schweren Verläufen oder sogar tödlichem Ausgang betroffen. Das war bei der Spanischen Grippe vor fast genau einhundert Jahren umgekehrt!

·        Ein Impfstoff ist nach Aussage zahlreicher Virologen ab Frühjahr spätestens in Sicht.  

·        Vielleicht läuft sich das Virus irgendwann tot; manche Wissenschaftler sehen in der Tatsache bereits aufgetretener Mutationen einen Überlebenskampf des Virus.

 

Ach, übrigens, wir haben es getan, meine Musikfreundinnen und ich.

Nicht beim Begrüßen, aber dann doch beim Abschied. Nur eben anders. Wir haben uns nicht die Wange hingehalten, weder die rechte noch die linke, sondern sind irgendwie am Kopf vorbeigehuscht. Da blieb nur der gehauchte Kuss auf den behaarten Hinterkopf. Schlimm war’s nicht, man gewöhnt sich ja an alles. Und Humor ist, wenn man trotzdem …

 

Schaut mal auf die Zeichnung!

 

 

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