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Rita H. Greve: Genesen?

Jeden Tag lesen wir, wieviele Neuinfektionen es gibt, wieviel Menschen gestorben sind und wieviele genesen. Doch heißt dieses "genesen" auch wieder gesund?

 

Experten der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) haben daran Zweifel. Die meisten Menschen überstehen Sars-Cov-2 unbeschadet. Es kann aber auch anders sein. Erkrankte, auch leichter Erkrankte, sind oft nach Wochen noch nicht wieder vollständig fit und fühlen sich schlapp und müde. Über Spät- und Langzeitfolgen ist noch wenig bekannt.

Foto: Greve            "KRANK"

 

Man vermutet, dass es sie geben kann, insbesondere im Bereich der Lunge. Konkret heißt das: Luftnot, vor allem bei Anstrengung. Eine Corona-Infektion ist nicht so harmlos wie sie oft dargestellt wird.

Bilder aus dem Computertomographen zeigten, dass viele Patienten mehr oder weniger starke Lungenschäden aufwiesen, heißt es. Die Uniklinik Augsburg veröffentlichte vor kurzem Bilder nach Obduktionen. Die Lungen mancher Corona-Opfer sahen erschreckend aus - löchrig wie ein Schwamm. Die Augsburger Ärzte kamen zu dem Schluss, dass diese Schäden nicht durch die invasive Beatmung, sondern am ehesten direkt durch das SARS-CoV-2-Virus entstanden waren.

 

Dabei ging es nicht allein um Covid-Patienten, die lange Zeit an Beatmungsgeräten lagen. Wesentliche Fragen betrafen insbesondere die leichteren Fälle. Menschen, die nicht ins Krankenhaus mussten. Möglicherweise kann dieses neue Coronavirus auch bei ihnen länger anhaltende oder gar dauerhafte Folgeschäden in der Lunge auslösen.

Auch Patienten, die zunächst nicht schwer erkrankt schienen, erlitten Herzinfarkte, Schlaganfälle, Lungenembolien oder Beinvenenthrombosen, berichtet Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie an der München Klinik Schwabing. Die Zahl der Betroffenen sei jedoch gering. Sie liege deutlich unter zehn Prozent der Patienten in der Klinik - und damit etwas unter einem Prozent aller registrierten Infizierten.

Dieses Virus kann zum Beispiel auch Herzmuskel, Darm, Niere, Gefäßinnen-häute und das Nervensystem schädigen. Enzephalopatien können auftreten. Das macht sich durch Unruhe und Verwirrtheit bemerkbar, auch die Gedächtnisleistung kann beeinträchtigt sein.

Foto: Greve                        "GESUND"

 

Ein weiteres Risiko sind Langzeitfolgen durch Schlaganfälle - auch epileptische Anfälle sind nicht auszuschließen. Häufigkeit und Ausmaß sind noch nicht bekannt.

Covid 19 ist ohne Zweifel eine Systemerkrankung und im Laufe der Entwicklung nicht weniger gefährlich geworden. Eine Verharmlosung wäre höchst fatal. Jeder sollte unbedingt alle Maßnahmen befolgen, um sich und andere zu schützen. Diskussionen über das Füllen von Fussballstadien oder das Zulassen großer Familienfeiern dürfte es m. E. überhaupt nicht geben. Es sollte selbstverständlich sein, alles zu vermeiden, was die Infektionszahlen weiter in die Höhe treiben könnte, damit wir gesund durch die Herbst- und Wintermonate kommen.

 

 

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