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Petra Ihm-Fahle: NPD-Fraktion und Masken

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Im Büdinger Parlament hat es nun schon zum zweiten Mal wegen der Maskenpflicht gerappelt. Ich bekam es mit, als ich als Reporterin zugegen war. In dem Saal ist es vorgeschrieben, eine Maske zu tragen, wenn man im Raum herumgeht. Am Platz darf man die Maske absetzen. Zwei NPD-Abgeordnete haben aber ein Attest, wonach sie keine Mund-Nase-Maske tragen dürfen. 

 

Fraktionsvorsitzender Daniel Lachmann ging denn auch mehrfach zu Redebeiträgen ans Mikrofon, ohne sich auf dem Weg dorthin eine Gesichtsbekleidung aufzusetzen. Ich finde so etwas nicht in Ordnung, es geht um ein paar Schritte durch den Raum und nicht um acht Stunden wie es Verkäufer*innen und Pflegepersonal tun müssen. Meine Schwester hat Asthma und ebenfalls ein Attest, aber sie trägt die Maske aus Respekt.   

  

Bürgermeister Erich Spamer kritisierte ihn scharf dafür, nannte ihn einen „Unverbesserlichen“. Später kündigte Spamer sogar an, die Sitzung zu verlassen, da der NPD-Mann weiterhin ohne Maske nach vorne kam. Eine Mitarbeiterin der Rathausverwaltung raunte dem Stadtoberhaupt daraufhin zu, dass Lachmann ein Attest habe, was Spamer nicht gewusst hatte und worauf er blieb. Ich schrieb einen Artikel darüber, in dem sich auch der NPD-Mann äußerte und die Vorwürfe als "peinlich" zurückwies. 

 

Bei der nächsten Parlamentssitzung geschah etwas Ähnliches, zu den Akteuren gehörte diesmal Stadtverordnetenvorsteher Reiner Marhenke. Wie er Lachmann erklärte, habe die Stadt Gesichtsvisiere gekauft. Die könne auch tragen, wer Asthma hat. Dann trug er ihm ein Visier an den Platz, doch auch das „Face Shield“ nutzte der NPD-Mann nicht. Es kam zum Eklat, als zwei Abgeordnete ihm den Kopf wuschen.

 

Sozialdemokrat Horst Richter beispielsweise erzählte eindringlich von seiner Frau, die vor 17 Jahren eine Lunge transplantiert bekam. Die ganze Familie habe unendlich gebangt. Erkranke die Frau an Corona, sei dies ihr sicheres Todesurteil. Der NPD-Mann gefährde Menschen, es sei eine „Sauerei, eine Schweinerei“. Es sei interessant, dass „mehrere Fraktionsmitglieder der NPD“ ein Attest hätten. 

Lachmann wies die Vorwürfe zurück: Er dürfe aus gesundheitlichen Gründen nicht nur keine Maske, sondern auch kein Gesichtsschild tragen, außerdem sei er niemandem Rechenschaft schuldig, wegen welcher Krankheit das so sei. „Zwei Fraktionsmitglieder haben ein Attest, nicht zehn oder so“, fügte er noch hinzu.

  

Auch darüber schrieb ich einen Artikel. Ich halte die Büdinger Parlamentarier der demokratischen Fraktionen grundsätzlich für sehr wehrhaft im Umgang mit der NPD. Die fremdenfeindlichen Ansichten, die Lachmann vorträgt, sind aus meiner Sicht mehr als daneben. Respekt nun auch für diese Aktion, bei der es um ein anderes Thema ging, die Maske für Lachmann, der auch an Demos gegen den "Corona-Wahnsinn" teilnimmt.  

    

Ich glaube aber, dass ein Vier-Augen-Gespräch zwischen Marhenke und ihm zielführender gewesen wäre. Im Vorfeld hätte sich Marhenke außerdem informieren können, ob aus rechtlicher Sicht ein Raumverweis wegen des verweigerten "Face Shields" möglich gewesen wäre. Wie ich eben erfahren habe, hat er die Sachlage im Vorfeld geklärt.

 

Schauen wir, wie es weitergeht. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Ronald Berg (Mittwoch, 30 September 2020)

    In der Kreistagssitzung war
    letzte Woche das gleiche Theater mit Lachmann und der NPD. Die suchen nur die Provokation.

  • #2

    Martin Heß (Mittwoch, 30 September 2020 20:16)

    Das sind die typischen Corona-Leugner-Mätzchen. Dahinter steht in der Regel eine Verachtung der Wissenschaft und staatlicher Strukturen. Eine Gespräch mit genesenen schwerer Erkrankten könnte helfen. Hängt er aber bereits in Verschwörungstheorien ist auch das zwecklos. Hast Du Statements zu Corona von ihm?

    LG M.