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Nina Elflein: Wo die Reise hingeht?

Foto: Nina Elflein
Foto: Nina Elflein

Ich bin neu hier. Nicht neu in Bad Nauheim, aber neu hier im Blog und ich will Dir von mir und meinem Umgang mit Corona erzählen und davon, inwieweit mich die Frage mit dem Umgang beschäftigt.

 

Ich lebe seit vier Jahren alleinerziehend. Ich will nicht übertreiben, aber könnte sagen, die Trennung vom Vater meiner Kinder verlief – schwierig. In den letzten Jahren haben wir soviel Raum und eine damit einhergehende Entfernung wie eben möglich zwischen uns gebracht. Mittlerweile leben wir nicht einmal im gleichen Land. Was durchaus Vorteile hat: Wir laufen uns nicht zufällig über den Weg und haben definitiv auch keinen „mein Restaurant, dein Restaurant“ - Streit. Die rein räumliche Entfernung wirkt sich allerdings auch auf das Umgangsrecht aus. Und genau da liegt der Hund begraben.

 

Für mich ist nicht nur entscheidend, einen gesunden Umgang mit der Pandemie und all den Maßnahmen und Nachrichten zu schaffen. Ich habe zum Beispiel damit aufgehört, das Dashboard vom RKI nach neuen Infektionszahlen im Wetteraukreis zu befragen. Im März habe ich mir zugesagt, nach 17.00 Uhr keine Nachrichten mehr zu konsumieren. Mir haben die Informationen und die Bilder von unzählbaren Särgen Angst gemacht. Also entschied ich mich für Selbstfürsorge und konsultierte lediglich die von mir ausgewählten Medien. Nach 17.00 Uhr war Schluss. Mittlerweile bin ich da wieder entspannter. Auch mit der Maske, die ich auf der Arbeit tragen muss. Ich habe mir einen Ausgleich zur Zeit mit Maske geschaffen. Ich fahre in meiner kinderfreien Zeit einfach stundenlang mit dem Rad, ohne Maske. Dann atme ich bewusst durch und bin frei. Ich entscheide frei nach Lust und Kraft, wo es hingeht.

 

Mit den ausgesprochenen Reisewarnungen sind wir als Familie in den Entscheidungen, „wo es hingeht“, jedoch eingeschränkt. Davon betroffen ist eben auch das Umgangsrecht. Diese Einschränkung ist meine Beobachtung und kein Argument für oder gegen die Reisewarnungen. Sie stellt auch nicht das Umgangsrecht in Frage. Ich will einfach aufzeigen, was das für uns als getrennt lebende Familie bedeutet. Denn mit der Pandemie stand auf einmal auch das Umgangsrecht zur Debatte und eine ganz neue organisatorische Ebene mit auf dem Plan. Die Papa-Zeit ist zum Beispiel in den Osterferien ausgefallen. Und ich hätte nie gedacht, dass bei der Planung der Elternzeit mehr als ein Gespräch und ein Kalender nötig ist. Aber aufgrund der steigenden Infektionszahlen habe ich wieder nach den Reisewarnungen vom Auswärtigen Amt geschaut. Glücklicherweise ist die Situation nicht ganz neu und ich bin zuversichtlich, dass wir Lösungen zum Umgang trotz Reisewarnung finden. Ich bin auch nicht wieder dazu übergegangen, die Infektionszahlen zu kontrollieren. Ich will mich nicht verrückt machen. Ich will lieber bei Zeiten mit dem Rad fahren. Und offen dafür sein, wo die Reise hingeht.

 

„You always got to be prepared but you never know for what.“

Bob Dylan

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Ulrike P-E (Montag, 28 September 2020 10:43)

    Schade, dass der Text zu Ende war, hätte gerne noch mehr über den Weg mit dem Rad gelesen.
    Die Herausforderungen, die derzeit an uns alle gestellt werden sind nicht immer leicht, aber wir wachsen daran und werden lernen das Notwendige zu akzeptieren und das Positive in vielem zu sehen.

  • #2

    Veronika (Montag, 28 September 2020)

    Schöner Beitrag, liebe Nina, besonders hat mir der Satz gefallen ...

    »Dann atme ich bewusst durch und bin frei. Ich entscheide frei nach Lust und Kraft, wo es hingeht.«