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Rita H. Greve: Jazz-Matinée

Foto: R.H. Greve
Foto: R.H. Greve

Das erste Mal seit langer Zeit gewollt unter vielen Menschen.

Jazz-Matinée am Sonntag. Von der Bigband hatte ich zwar noch nie etwas gehört, doch das Programm mit Schwerpunkt „Swingklassiker" klang zumindest vielversprechend.

 

So führte unser täglicher Spaziergang einmal nicht durch Wald und Flur, sondern in die Stadt. Schlangengleich wanden wir uns zwischen viel zu vielen Menschen hindurch, die bereits am Sonntag früh im Kurpark unterwegs waren, den wir sonst - aus eben diesem Grund - am Wochenende meiden.

 

In der Trinkkuranlage angekommen, das Programm hatte gerade erst begonnen, der übliche Anblick in dieser Zeit: Rot-weiße Absperrbänder und ein großes Plakat am Eingang mit den einzuhaltenden Regeln.

 

       -     Abstand von mind. 1,5m zu fremden Personen einhalten

 -         Maskenpflicht im markierten Bereich beim Weg zum Sitzplatz

 -         In der Sitzgruppe 2 Plätze zu fremden Personen freilassen

 -         Die Sitzgruppen nicht verstellen

 -         Formular ausfüllen zur Erfassung der Konzertbesucher

 

Das alles wollten wir nicht. Einerseits wegen der Auflagen im „Sperrbereich“, andererseits passt Jazzkonzert und sitzen für uns nicht zusammen. Daher blieben wir hinter den Absperrbändern stehen.

 

Das Konzert war gut besucht. Soweit man es sehen konnte, gab es keine freien Sitzplätze mehr. In der Konzertmuschel suchte man die Musiker vergeblich. Bis auf die drei zusammengeklappten Sonnenschirme "auf Abstand" war sie verwaist, da für die Bigband zu klein. Die spielte nebendran. Daran musste man sich erst gewöhnen. Die Musiker gaben ihr Bestes, um das Publikum wenigstens ein bißchen zum Swingen zu bringen. Sie brachten Klassiker zu Gehör wie „Witchcraft“ von Sinatra und andere. Aber auch Songs von Michael Bublé waren zu hören und sogar Sambarhythmen, die zumindest einen einzelnen Herrn in vorderster Reihe anregten, hingebungsvoll zu tanzen.

  

Viele Menschen waren unterwegs – ein Kommen und Gehen hinter den Absperrungen – alles  diszipliniert und auf Abstand. Keine Grüppchen, keine Umarmungen zur Begrüßung wie sonst bei solchen Anlässen. Es wirkte alles - wie soll ich sagen - irgendwie steril.

Als die Musiker die Pause einläuteten, die eine dreiviertel Stunde dauern sollte, machten wir uns auf den Heimweg.

 

Fazit: Es war zwar anders als gewohnt, dennoch - für uns jedenfalls -  alles in allem ein schwungvoller musikalischer Start in den Sonntag an einem der wohl letzten Sommertage in diesem Jahr.

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    M. (Donnerstag, 24 September 2020 21:06)

    Ein schöner Satz: „Es wirkte alles - wie soll ich sagen - irgendwie steril.“
    Wenn die materielle Welt eine Metapher der mentalen ist - wie es der Mystiker erlebt - war es ja gut, dass kein Funke übergesprungen und keine ansteckende gute Laune entstanden ist ...