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Rita H. Greve: "Pappnasen"

Foto: R.H. Greve
Foto: R.H. Greve

Mein Reisepass läuft im Oktober ab. Habe ich vor einigen Tagen zufällig entdeckt und mir die Frage gestellt: Brauche ich überhaupt einen? Werde ich noch einmal die Möglichkeit haben und auch nutzen wollen, ins Ausland zu reisen - Corona hin oder her?

 

Der Optimismus hat gesiegt. Ich habe mich dafür entschieden. Verlängern geht nicht, also musste ein neuer Pass her. Um mich nach dem Vorgehen zu erkundigen, habe ich beim Bürgerbüro angerufen. Man kann nicht einfach so ins Rathaus gehen wie früher. Man braucht einen Termin. Der war schnell gefunden. Dann benötigte ich ein Passbild, und das macht nicht die Behörde selbst, wie ich früher gehört hatte, sondern nach wie vor der Fotograf.

 

Mit frisch gewaschenen Haaren, etwas Make-up (man meint ja immer, die Bilder könnten doch einmal ein bißchen besser ausschauen, als man es von Passbildern gewohnt ist – aber Fehlanzeige, wie sich herausstellte) machte ich mich auf in die Stadt zum Fotografen. Zwei Leute waren im Laden – mit Maske. Auch die Angestellten trugen eine. Nach einer Weile kam ich an die Reihe und durfte in die Kabine. Zum Fotografieren musste ich natürlich die Maske abnehmen, dann gleich wieder auf.

Inzwischen waren vier weitere Kunden im Laden, alle mit Mund-Nasenschutz, bis auf einen älteren Herrn, der stolz seine recht markante Nase präsentierte. Ich bat den Angestellten, er möge doch den Herrn darauf hinweisen, seine Maske korrekt zu tragen. Daraufhin erntete ich lediglich einen etwas hilflosen Blick und ein Schulterzucken, sonst – nichts. Also sah ich mich genötigt, wieder einmal (wie schon oft in anderen Situationen bei anderen Gelegenheiten) selbst die Initiative zu ergreifen. Ich ging auf den Herrn zu, machte ihn freundlich auf seine „verrutschte“ Maske aufmerksam und bat ihn, seine Nase zu bedecken. Er sah mich kurz an und zog die Maske über seine Nase. Also, geht doch, dachte ich.

Nachdem ich mir das „schönste“ Passbild ausgesucht hatte, wurden mir vier Stück ausgehändigt. Ich bezahlte und war froh, den für seine Größe zu vollen Laden verlassen zu können.

 

Es bleibt mir weiterhin unverständlich, warum Inhaber und auch Angestellte in den Geschäften ein Problem damit haben, die Kunden auf nicht korrekt sitzende Masken aufmerksam zu machen. Es ist doch auch in ihrem Interesse, und Kunden verlieren würden sie dadurch sicherlich nicht.

 

Im Rathaus rechtzeitig zu meinem Termin angekommen, klingelte ich und wurde nach Beantwortung der Frage zu meinen Wünschen sofort eingelassen. Außer mir waren nur die Dame am Empfang und mein Sachbearbeiter, hinter einer Glasscheibe sitzend, anwesend – beide mit Maske. Innerhalb einer Viertelstunde war die Passbeantragung erledigt und ich verließ das Rathaus durch einen separaten Ausgang.

 

Die Stadt war voller Menschen. Viele Leute am Aliceplatz und anderswo standen oder saßen dicht beieinander vor den Cafés an den Tischen, fast alle ohne Mund- und/oder Nasenschutz. Ich war froh, dass ich sonst nichts mehr zu erledigen hatte, in mein Auto steigen und die Stadt verlassen konnte, ohne weiteren "Pappnasen" zu begegnen. 

 

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