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Susann Barczikowski: Am seidenen Faden

 

Als „unerträglichen Angriff“ auf die Demokratie bezeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Auswüchse der Demonstration am vergangenen Samstag. Gemeint hat er damit den Ansturm einiger auf den Reichstag. Symbolträchtige Flaggen, eindeutige Parolen – die Rechten wollten offensichtlich den Bundestag stürmen und antidemokratische Hetze verbreiten.
Waren das Mitläufer oder sind solche Leute eine Gefahr für die Demokratie? Kann ein Virus der Auslöser für solche Auswüchse sein oder steckt da mehr dahinter?
Angela Merkel nannte Covid 19 noch vor ein paar Monaten „eine Zumutung“ für die Demokratie. Hängt unsere Freiheit, unsere Demokratie tatsächlich von einem Virus ab und dadurch an einem seidenen Faden? Wer hält die Leine in der Hand und steuert?

Dass das Virus soziale Ungleichheiten betonen würde, Schwächere deutlich mehr schwächen, Bildungsgräben vertiefen und manche an den sozialen Abgrund bringen würde, ist bereits jetzt in vielen Bereichen spürbar. Was passiert, wenn das Virus noch weitere Monate lang wütet? Haben wir dann bald bürgerkriegsähnliche Zustände?
Fundierte Informationen wären jetzt gut. Zum Glück ist Christian Drosten aus der Sommerpause zurück. Ab heute läuft auf NDR wieder das „Corona-Update“ mit ihm und der Virologin Sandra Ciesek im Wechsel. Ich bin gespannt, was die Experten der Berliner Charité zu sagen haben.
Ein Kommentator der Neuen Zürcher Zeitung nimmt einiges vorweg. Es gebe derzeit keine zweite Welle, kein Mehr an Sterbefällen, kein Mehr an Hospitalisationen, kein Mehr an schweren Verläufen.
Auch sei das Gesundheitswesen nicht kollabiert. Stattdessen die Kommunikation über das Virus. „Denn mit einer abstrakten Gefahrenprognose, die sich auf einen grossen Konjunktiv stützt, darf man keine Freiheitsrechte beschneiden.“


Quelle: Milosz Matuschek, NZZ, 1.09.2020

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