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Max Auer: Ein anderes Leben mit Maske

Foto: Tom Wolf
Foto: Tom Wolf

Ich kriege schwer Luft. Mit meiner freien Hand rücke ich noch mal meine Maske zurecht.

Auch in optimaler Position drückt sie auf mein Gesicht und erschwert mir das Atmen. Ich muss aber diese Maske tragen, bevor ich durch die Tür in dieses Gebäude gehe.

 

Ich schaue mein Gegenüber an, auch ihm sieht man an, dass er schlecht durch die Maske atmen kann.

Wir nicken uns zu und treten durch die Tür ins Gebäude. Uns kommen Leute entgegen, die sich einen Schal vor das Gesicht halten.

Manche haben Panik und wollen nur raus. Sie wollen atmen!

 

Wir laufen durch den Flur und halten vor einer Tür. Wir sind nicht weit gelaufen, dennoch kann man uns die Anstrengung ansehen.

Wieder nicken wir uns zu, wieder gehen wir gemeinsam durch die Tür.

Unser Auftrag: Im besten Fall ein Leben retten, im schlimmsten Fall eine Leiche finden.

 

Unsere Maske ist kein dünnes Stück Stoff, über das sich so viele aktuell beschweren. Es ist eine Vollmaske, die man mit Gummibändern festzurrt. So fest, dass man im Gesicht Striemen davon trägt.

 

Es ist keine Maske die wir beim Einkaufen tragen müssen, wenn wir einen Salat, ein Pack Nudeln und etwas Gemüse durch den Supermarkt tragen. Es ist eine Maske, die wir tragen, wenn wir zu einer dicken Schutzausrüstung noch über 20 Kilogramm Material und vielleicht noch eine Person mit 80 Kilogramm tragen.

 

Eine Maske, die wir nicht tragen, wenn wir im Sommer bei 30 Grad in der Bahn sitzen, sondern uns in Räumen aufhalten, in denen mehr als 500 Grad Celsius keine Seltenheit sind.

 

Wir tragen solche Masken, um andere zu schützen, um anderen zu helfen. Mit allem, was wir physisch und psychisch haben und aufbringen können.

 

Dieses Mal geht alles gut. Als wir das Gebäude wieder verlassen und unsere Masken ausziehen, wundern wir uns über die vielen Gaffer, dicht gedrängt, Handy in der Hand und die Maske unterhalb des Kinns, weil man durch die Maske ja so schlecht atmen kann.

Max Auer ist stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr und stellvertretender Jugendwart, beides im Bad Nauheimer Stadtteil Rödgen. Er ist 30 Jahre alt und seit seinem 14. Lebensjahr bei der Feuerwehr. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Patricia Wolf (Samstag, 22 August 2020 11:26)

    Ein sehr schöner Artikel. Das ist für die meisten Menschen völlig selbstverständlich dass die Feuerwehr rund um die Uhr 24 Stunden und 7 Tage in der Woche für die Allgemeinheit da ist. Wobei die meisten Menschen in der Feuerwehr ja auch freiwillig dabei sind. Wird Zeit dass man mal umdenkt und nicht alles als selbstverständlich hin nimmt. Gerade auch in solchen Zeiten wie diesen die sicherlich generell nicht einfach sind haben wir immer noch das große Glück dass wir nicht dauerhaft eingesperrt sind und das Tragen einer Mundschutz Maske ja wirklich zeitlich sehr begrenzt ist. Also lieber mal dankbar sein und nicht andauernd jammern!

  • #2

    Rita H. Greve Samstag, 22. August 2020 (Samstag, 22 August 2020 14:58)

    Ein aufrüttelnder Artikel, den alle lesen sollten, die ständig jammern über das Tragen dieser einfachen Mund-Nase-Schutzmasken, sie falsch tragen oder gar verweigern, sie zu tragen.