· 

Jule Heck: Das Leben mit Maske

Foto: Jule Heck
Foto: Jule Heck

Wenn man den Voraussagen der Virologen glauben darf, wird uns das Corona-Virus noch lange begleiten, vielleicht sogar ein Leben lang. Das bedeutet, auf die lästige Maske werden wir so bald nicht verzichten können.
Mir persönlich fällt es sehr schwer, mit Maske einkaufen zu gehen. Ich schwitze fürchterlich unter diesem Teil und bekomme auch sehr schlecht Luft, beherrsche mich aber und setze sie auch in unbeaufsichtigten Momenten nicht ab, lüfte nicht einmal die Nase und das, obwohl ich schon öfter vor einem Kreislaufkollaps stand.


Ich gehe also nur noch selten einkaufen, beeile mich so gut es geht und sobald ich ein Geschäft verlasse, reiße ich mir das Ding vom Gesicht und hole erst einmal tief Luft. Das gleiche Verhalten beobachte ich auch bei anderen Kunden. Ich vergesse sogar, die Maske aufzusetzen, bin oftmals schon am Eingang des Ladens, bis mir auffällt, dass ich ja ungeschützt durch die Gegend laufe. Dabei begegnen mir auf dem Weg einige Kunden, die sich noch nicht von dem lästigen Teil befreit haben, ebenso wie ich Menschen sehe, die bereits mit Maske auf den Parkplatz fahren.


Der Umgang mit der Mund-Nasen-Bedeckung ist so vielfältig, wie die Menschen verschieden sind. Da kann man Fahrer, die allein im Auto sitzen, mit Maske sehen, sogar Cabriolet-Fahrer oder Radfahrer, die das Ding vorm Gesicht tragen. Da kommt mir jedoch der Gedanke, dass sie das nicht so sehr als Schutz vor dem Virus, sondern als Schutz vor den Fliegen und Mücken, die in der Luft umherschwirren, aufgesetzt haben könnten.


Aus den Fenstern der vorbeifahrenden Busse starren mich Menschen mit bedecktem Gesicht an. In den Zügen halten sich die meisten an die Bedeckungspflicht, auch wenn diese manchmal nur aus einem umgelegten Schal besteht. Der Trick, die Bedeckung zu umgehen, besteht jedoch neuerdings offenbar darin, etwas zu essen und zu trinken.  Wer sich jedoch nicht der Maskenpflicht unterwerfen will, wird mitunter schon mal ausfallend und benimmt sich gegenüber dem Bordpersonal nicht gerade recht freundlich.


Die Fußgängerzonen sind mittlerweile wieder dicht bevölkert, man geht eng aneinander vorbei und das meistens ohne Bedeckung. Dabei gibt es durchaus die eine oder andere Person, die auf Abstand hält und militant das Tragen der Maske verteidigt, andere sogar beschimpft, wenn sie es wagen, ohne Schutz herumzulaufen. Sogar an den Stränden ist es, zumindest auf der Lieblingsinsel der Deutschen, Pflicht, so lange Maske zu tragen, bis man seinen Liegeplatz erreicht hat.


In manchen Krankenhäusern wird sogar im Kreißsaal von der werdenden Mutter das Tragen einer Maske verlangt. Man stelle sich nur das arme Neugeborene vor, dass außer Augen zuerst nichts von der Mutter sieht. Meine Tochter, die kürzlich entbunden hat, weigerte sich, ihr Kind mit Maske zu gebären. Es wurde ihr gestattet, aber wahrscheinlich nur, weil sie Allergikerin ist.


Und denken wir nur an die armen Schüler, die nun, wenn auch nicht an allen Schulen, ihren Schulfreundinnen- und freunden mit Maske begegnen und im Klassenzimmer den Unterricht schwitzend verfolgen müssen. Da hapert es ja dann auch gleich bei der Aussprache im Englisch- und Französischunterricht. Die Maske ist nach einer Weile schon durchgeschwitzt und müsste eigentlich ausgetauscht werden. Da stellt sich mir die Frage, mit wie vielen Masken so ein Schüler im Unterricht erscheinen müsste. Also eine halte ich für zu wenig.


Und da stellt sich mir nun auch die Frage, wie bezahlen das die Eltern? Wer kommt für die Anschaffung der Kosten auf? Und wieso verschenkt unser Bundesgesundheitsminister 250 Millionen Masken ans Ausland? Wären die nicht hier im Land besser zu gebrauchen? Es ist ja nicht jeder in der Lage eine Nähmaschine zu bedienen.


Es wird auf jeden Fall nicht langweilig, das Verhalten der Menschen in diesen Zeiten zu beobachten. Vielleicht sollten wir uns ein Scheibchen von den Asiaten abschneiden, die schon immer mit einer Mund-Nasen-Bedeckung unterwegs sind und die wir deswegen immer belächelt haben.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Alex Sassland (Freitag, 21 August 2020 21:12)

    Das geht mir auch so - möglichst wenig und selten einkaufen gehen, Maske auf am Eingang und ab sofort nach dem Verlassen des Geschäftes - aber ich trage sie, weil ich es richtig finde. Und ja, vielleicht können wir von den Asiaten etwas lernen. Zumindest in der Erkältungssaison. Und solange es nötig ist.