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Petra Ihm-Fahle: Prosit, Corona

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Nanu, was ist das im "Discounter meines Vertrauens"? Corona-Bier! Ich trinke kaum Alkohol, Bier finde ich geschmacklich bitter. Bei der Gluthitze macht das Angebot allerdings einen lockenden, erfrischenden Eindruck auf mich. Mit Biersorten kenne ich mich nicht aus, daher frage ich mich, ob es ein Werbegag ist. 

 

"Dieses 'Corona Extra", hat das was mit Corona zu tun?", erkundige ich mich. 

"Das ist eine Aktion", sagt die Verkäuferin. 

"Ist es wegen Corona auf dem Markt?" 

"Nein, diese Biermarke gibt es schon lange."  

"Okay", erkläre ich. "Ich fürchte, ich muss es kaufen."

 

Zuhause packe ich die Flaschen in den Kühlschrank und googele. "Corona" ist demnach ein mexikanisches Bier seit 1925, das seine Produktion wegen der Krise zunächst völlig in den Keller fahren musste. Die mexikanische Regierung hatte laut eines Artikels der Frankfurter Rundschau vom April allen nicht lebensnotwendigen Branchen vorgeschrieben, die Produktion einzustellen. Zudem soll eine "Corona"-Werbung zu Beginn der Krise nicht gut angekommen sein.

 

Die Süddeutsche Zeitung titelte kürzlich indes: "Corona ist das Getränk der Pandemie." Und der Schwarzwälder Bote schreibt: "Erst Ladenhüter, jetzt In-Getränk." Generell muss der Bier-Konsum in 2020 aber stark eingebrochen sein. Zwar haben die Deutschen laut Bild-Zeitung während des Lockdowns mehr Gerstensaft aus der Flasche getrunken, doch beim Fassbier sieht es wohl düster aus.

 

Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich bereits ein Glas intus. Erfrischend, doch auch diese Sorte finde ich etwas bitter. Ich gebe Limonade dazu, dann ist es sehr lecker.

 

"Corona sorgt für Beach Feeling pur im Alltag", verspricht die Homepage der Brauerei, was zu den sommerlichen Temperaturen ja passt. Kaum schreibe ich das, beginnt es endlich zu gießen - vielleicht aber nur ein kurzer Schauer. 

 

Möglicherweise hat das gute Wetter viel Sorglosigkeit verursacht. Die Infektionszahlen steigen, wie man an den täglichen Meldungen des Wetteraukreises unschwer erkennen kann. Gleichwohl lese ich immer öfter und mehr Kommentare in den sozialen Netzwerken über die angebliche Sinnlosigkeit der Schutzmaßnahmen, beispielsweise der Maskenpflicht. Im Grunde ist es auch eher geschmacklos, wenn ausgerechnet der Discounter "meines Vertrauens" Corona-Bier führt, denn dort tragen fast alle Verkäufer*innen die Maske meist unterm Kinn.

 

Wenn Ende der Woche die Sommerferien beendet sind, beginnt in den Schulen wieder normaler Unterricht - ohne Abstand in den Klassenräumen. Den diesbezüglichen Hygieneplan des Landes Hessen zu lesen, ist schon interessant. In gewisser Weise ist es sicher sinnvoll, denn die Kinder und Jugendlichen brauchen wieder Kontakt. Ich frage mich trotzdem, wohin das führen wird? Wir werden es merken.

 

Während des ersten Lockdowns soll massenhaft Alkohol getrunken worden sein, die Glascontainer waren übervoll. Wie viel wird erst konsumiert werden, sollte ein zweiter Lockdown kommen und die Pleite so richtig beginnen? 

 

Wer will, kann von mir ein "Corona"-Bier haben. 

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