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Antje Lilienthal: Antwort an Valentina

Hallo Kleine,

 

 

Schön aus Deinem Urlaub auf Föhr zu hören! Aber eins will ich Dir gleich sagen: so schnell kickst Du mich nicht weg. Im Gegenteil: ich bin gerade wieder stark im Kommen, besonders auch bei jungen Leuten. Das war gestern wieder in den Nachrichten zu hören. Die meisten Menschen stellen sich nicht so an wie Du. Auch viele Ältere werfen sich wieder unbeschwert ins Vergnügen. Die Leute erleben einen Sommer, als gäbe es mich nicht. Und so verbringe ich auch prima Ferienwochen: bei Strandparties, in überfüllten Innenstädten, an der Costa Brava, in Barcelona, auf Mallorca, überall wo es schön ist oder wo es die Menschen hinzieht. Jetzt reise ich mit den Urlaubern langsam wieder zurück und breite mich in Deutschland aus. Gestern war wieder ein starker Tag, da habe ich mich bei mehr als 1500 Menschen neu eingenistet. So erfolgreich wie diese Woche war ich seit Anfang Mai hier nicht mehr.

 

 

Vom Timing passt das gut. Denn gerade jetzt beginnt in einigen Bundesländern die Schule wieder mit vollem „Präsenzunterricht“, wie sie das nennen. Die Schutzkonzepte sind ein Flickenteppich. In Nordrheinwestfalen gilt Maskenpflicht überwiegend auch im Unterricht, in Schleswig Holstein wird die Maske dringend empfohlen, in Hessen ist jetzt das Tragen einer Maske außerhalb des Klassenraums angeordnet worden. An den räumlichen Gegebenheiten haben sie kaum was geändert. Da wird sich schon ein Plätzchen finden lassen, wo ich mich niederlassen kann. Erst recht in den überfüllten Schulbussen. Du gehst doch sicher auch noch zur Schule? Oder? Vielleicht treffen wir uns demnächst dort mal?

 

 

Also wegkicken wirst Du mich nicht so schnell. Da beißen sich ganz andere an mir die Zähne aus. Söder, sonst immer forsch im Abwehrkampf gegen mich, kommt in Bayern mit der Bearbeitung der Testergebnisse von Reiserückkehrern nicht nach. Ich lache mir ins Fäustchen, und verbreite mich tagelang von den schon 900 positiv Getesteten aus emsig weiter. Auch habe ich den Eindruck, dass Drosten, der fast immer Rat weiß, jetzt an seine Grenzen kommt. Ich bin eben nicht kleinzukriegen, besonders, wenn man so viel Angst vor einem 2. Lockdown hat, wie sie alle haben. Also Drosten spricht jetzt für den Herbst von möglicher Clusterquarantäne, das ist eine Quarantäne von betroffenen Gruppen, die aber nicht so lang sein soll. Er will so die damit verbundenen Herausforderungen für die Gesundheitsämter verringern und dafür ein Restrisiko in Kauf nehmen.

 

 

Das Wort Restrisiko gefällt mir! Das könnte schon einmal eine Basis für mich sein, um weiterzumachen. Vor allem, wo so viele Menschen keine Lust mehr auf Masken haben. Und es werden wohl immer mehr werden. Letzten Samstag hat sogar der ehemalige Fußballnationalspieler Thomas Berthold bei einer Demo gesagt, dass er nichts von Maske tragen und Abstand halten hält. All seine Fans könnten ein feines Fressen für mich werden. Schade, dass Zuschauer zu Bundesligaspielen noch nicht in die Stadien dürfen, aber das wird sicher noch.

 

 

Auf jeden Fall gibt es am 4. September schon einmal ein Großkonzert in der Arena Düsseldorf mit Bryan Adams und Sarah Connor vor 13 000 Zuschauern. Darauf freue ich mich schon. Du kommst wohl nicht? Aber, wenn Du jemanden kennst, der dorthin geht, grüß ihn schon mal von mir.

 

 

Dein Coronavirus

 

 

 Foto: Antje Lilienthal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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