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Petra Ihm-Fahle: Wellness und Zoonose

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Zum zweiten Mal nach dem Lockdown war ich letzte Woche bei meiner Friseurin, um mir die Haare schneiden zu lassen. Eine Maske tragen zu müssen, war mir noch in Erinnerung. „Keine Zeitschriften, keine Getränke“ – auch das stand auf einem Schild am Eingang des Salons in Karben. Als erstes desinfizierte ich mir die Hände, den obligatorischen Eintrag in die Liste erledigte die freundliche Azubine am Empfang.  

 

Kein Kaffee, nun gut, das ist sinnvoll und von der Berufsgenossenschaft der Friseure vorgegeben, wie auch diverse andere Regeln. Gleichwohl habe ich das Getränk etwas vermisst, man ist es einfach so gewöhnt. Auf eine Zeitschrift kann ich hingegen verzichten, da ich meistens eigene Lektüre dabeihabe. In diesem Fall war es das „Wuhan Diary“ der chinesischen Schriftstellerin Fang Fang.

 

Während meine Haarfarbe einwirkte, führte ich mir ein Kapitel zu Gemüte, in dem die Autorin über das mutmaßliche Epizentrum der Seuche in Wuhan schrieb, den „Südchinesischen Markt für Meeresfrüchte“. Ich finde, dieser Ausdruck klingt nach Delikatessen. In Erinnerung hatte ich bis dahin den Begriff „Wildtiermarkt“ gehabt, gesehen hatte ich Bilder von Hunden in Käfigen und Fledermäusen als Suppenbeilage. War das bloß Panikmache in den sozialen Netzwerken gewesen? Ging es in Wahrheit um Verkaufsstände für Shrimps und Anchovis?

 

Nein, wie mir eine Google- und YouTube-Suche bestätigte. Ich las, dass auch Wildtiere auf dem „Huanan Seafood Market" angeboten werden, der seit Januar geschlossen hat. Von den 99 Erstinfizierten hatten 49 Personen einen Bezug zu diesem Markt, Corona gilt mithin als sogenannte Zoonose. „Der Wildtierhandel muss aufhören“, forderte denn auch der Tierarzt Christian Walzer im Interview mit der „Zeit“. Einige Videos, die ich auf YouTube angeschaut habe, lehren mich, solche Märkte differenziert zu betrachten: Es gab appetitliche, aber auch grausige Angebote und Tierquälerei.

 

Berechtigt uns das, den moralischen Zeigefinger zu heben? Das finde ich nicht. Betrachten wir erst mal unsere eigene Massentierhaltung, dann reden wir weiter. Teilweise wird auch in Frage gestellt, ob Wuhan wirklich der (einzige) Ort des Corona-Ausbruchs war, es gibt die unterschiedlichsten Theorien, denken wir an die Spekulationen über ein Labor. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht noch einigen Aufklärungsbedarf.

 

Zurück zu meinen Friseurinnen, die sehr auf die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften achten. Dort dürfte es vergleichsweise unwahrscheinlich sein, sich Covid-19 einzufangen. Unter den Friseuren soll es allerdings auch schwarze Schafe geben, wie ich erfuhr. Es gebe Mitbewerber, die sich nicht an die Regeln halten. Das Ordnungsamt soll aber abgewiegelt haben, getreu dem Motto: „Es ist alles okay.“

 

Na, klar. Das glauben wir doch glatt.

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