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Susann Barczikowski: Still ruht der See

Still ruht der See, die Vöglein schlafen,
Ein Flüstern nur, du hörst es kaum.
Der Abend naht, nun senkt sich nieder
|: Auf die Natur ein süßer Traum.:|

Heinrich Pfeil (1835-1899), Komponist und Schriftsteller, hat dieses Volkslied geschrieben. Die ersten Zeilen kamen mir spontan in den Sinn, als wir am Sonntag am See waren. Wir hatten Glück, um 8.30 Uhr war so gut wie nichts los, obwohl es schon richtig warm war. Kopfüber ins kühle Wasser. Herrlich. Still. Wellenkreise bilden sich und um mich herum nur das Geräusch, das beim Gleiten durchs Wasser entsteht.

Diese fast poetische Stille am frühen Morgen wird bald jäh zerreißen, denke ich. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Jugendliche und Familien mit Kindern die Liegewiese am See belagern. Dann ist Abstandhalten wieder schwierig. Dann landen Mund-Nasen-Schutze wieder im Gebüsch, denn wie sonst sollte man ein Eis schlecken, einen Kaffee schlürfen oder Pommes mümmeln?

Still ruht der See. Die Hoffnung auf Eindämmung der Pandemie durch Durchseuchung der Bevölkerung wurde vor Kurzem gedämpft*. Gedämpft auch die Hoffnung auf einen Impfstoff.

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Still ruht der See, die Vöglein nie schlafen
Ein Raunen jetzt, du hörst es schon
Der Abend naht, nun senkt sich wieder
Auf die Natur ein böser Traum …


*„Alles, was man über Corona weiß“, Die Zeit Online, vom 3. August 2020.
** frei nach Heinrich Pfeil
 
 

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