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Jule Heck: Maskenpflicht

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Ich hatte Glück und konnte noch einen einigermaßen unbeschwerten Urlaub an der Nordsee verbringen, obwohl sich die Schreckensmeldungen aus dem Ausland schon häuften und der Ankauf von Unmengen Toilettenpapier in unserem Land durch die Medien ging.

Ich konnte noch ohne Maske einkaufen und essen oder im Städtchen bummeln gehen. Es war jedoch abzusehen, dass es bald auch bei uns losgehen würde. Es dauerte noch eine Woche, dann wurde bekannt, dass die meisten Geschäfte geschlossen bleiben mussten, ebenso Kosmetik- und Fußpflegestudios.

 

Auf die Kosmetik konnte ich gern verzichten, auf meine regelmäßige Fußpflege jedoch nicht. Da kam mir die Mitteilung einer Podologin aus Bad Nauheim in einer WhatsApp-Gruppe gerade recht. Sie durfte weiter praktizieren und ich bekam ganz schnell einen Termin bei ihr. Sie begrüßte mich freundlich und reichte mir eine Maske, die ich nur unwillig aufsetzte.

Mir schwante entsetzliches, wenn das Tragen einer Maske zur Pflicht werden sollte. Bis dahin war es noch eine freiwillige Sache in den Lebensmittelmärkten, aber die Kunden gingen sich bereits großräumig aus dem Weg.

 

Ich dachte mir nichts Böses und machte ein Selfie von meinem Gesicht mit Maske, das ich dann bei Facebook einstellte. Wie gesagt, bis dahin war das Tragen noch eine freiwillige Maßnahme. Es dauerte nicht lange und die ersten Kommentare gingen auf Facebook ein. Die meisten Freunde fanden mich ohne Maske attraktiver und wollten lieber mein Gesicht sehen. Einige gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass eine Maske nicht notwendig werden würde.

 

Dann kamen jedoch zwei Kommentare, die sowohl in ihrer Aussage, als auch in ihrem Tonfall völlig daneben waren. Die Mitteilungen kamen von zwei Damen, die mir gut bekannt sind. Mit der einen hatte ich bisher noch nie ein Problem gehabt, die andere jedoch sparte auch an anderer Stelle nicht mit bissigen Bemerkungen.

Nun, dass bisher vorwiegend medizinische Fachkräfte der Maskenpflicht unterlegen waren, wusste ich auch ohne den Hinweis der beiden. Ich hatte niemanden beleidigen wollen und schickte eine kurze Erwiderung und erklärte, warum ich die Maske aufsetzen musste. Das veranlasste eine der beiden Personen jedoch, mir den Mund zu verbieten. Eine völlig übertriebene Reaktion, dachte ich und löschte nicht nur die schlimmsten Kommentare, sondern auch die beiden aus meinem Freundeskreis.

 

Das Tragen der Maske wurde wenige Tage später zur Pflicht für alle erklärt. Egal, wohin ich kam, jeder stöhnte. Den einen oder anderen erkannte ich nur durch Zufall oder an der Stimme. Manche Leute verstand ich nicht einmal. Es ergaben sich aber auch witzige Gespräche mit Leuten, die ich gar nicht kannte.

 

Bis heute ist mir jedoch das Tragen der Maske unangenehm und sobald ich ein Geschäft verlasse, reiße ich mir das Ding herunter. Die meisten Menschen reagieren so. Ich hoffe, dass es mal wieder eine Zeit geben wird, wo wir auf dieses hässliche Utensil verzichten können. Einen Vorteil hat die Maske jedoch, ich kann anderen Menschen aus dem Weg gehen, muss sie nicht unbedingt grüßen, so auch die beiden Damen, die mich aufs Übelste, mir immer noch vollkommen unverständlich, beschimpft haben. Auch wenn ich keine Maske mehr tragen muss, werde ich sie künftig geflissentlich übersehen. Ich bin zwar nicht nachtragend, aber sehr konsequent.

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Kommentare: 1
  • #1

    Gerd Joachim (Donnerstag, 30 Juli 2020 23:36)

    Das Foto ist mehr als befremdlich.