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Petra Ihm-Fahle: Stephen King für Arme

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Schon lange lag es im Regal, aber ich kam nicht zum Schmökern: „Die Augen der Finsternis“ von Dean Koontz, jener Thriller, der angeblich das Virus Covid-19 vorhergesagt haben soll. Nun habe ich es gelesen. 

 

Es geht um die geschiedene Tina Evans, die ein Jahr zuvor ihren Sohn Danny durch einen Unfall verloren hat. Sie ist erfolgreiche Produzentin einer Show in Las Vegas und lernt mit Elliot Stryker gerade eine neue Liebe kennen. In dieser Phase vermitteln ihr übersinnliche Botschaften plötzlich, dass ihr Sohn nicht wirklich tot ist. Die Signale werden so mächtig, dass sie und Elliot beschließen, eine Exhumierung des Leichnams zu veranlassen. Ab diesem Moment werden sie von Geheimdienstagenten verfolgt, die das Paar aus dem Weg schaffen wollen. Letztlich finden sie Danny lebend in einem geheimen Labor, wo ihn verbrecherische Wissenschaftler immer wieder mit einem gefährlichen Virus infizieren. Dieses Virus namens Wuhan 400 ist künstlich gezüchtet und absolut tödlich. Einzig Danny hat es bisher geschafft, die Krankheit zu überleben. Wissenschaftler wollen die Antikörper daher isolieren, die Danny gebildet hat und herausfinden, wieso er es stets übersteht. Tina und Elliott gelingt es, das völlig entkräftete Kind zu retten.

 

Die Krankheit, die Wuhan 400 auslöst, hat allerdings andere Symptome als die Corona-Erkrankung; sie zerstört das Gehirn und löst keine Lungenentzündung aus. Von der chinesischen Stadt Wuhan soll das Corona-Virus bekanntlich ja ausgehen, allerdings ist dies vermutlich die einzige Gemeinsamkeit. In einer Zeitungs-Besprechung, die sich mit Koontz‘ „Voraussage“ auseinandergesetzt hat, habe ich gelesen, dass in der Thriller-Literatur ständig irgendwelche künstlich gezüchteten, tödlichen Viren auftauchen und die Namensgebung schlicht ein Zufall sei.  

 

„Die Augen der Finsternis“ konnte ich nicht so zügig lesen, wie ich zu Beginn dachte. Anfangs ging es sehr flott, auch wenn der Inhalt insgesamt durchschnittlich ist. "Stephen King für Arme“ dachte ich, aber es war trotzdem lesbar. Doch ungefähr in der Mitte des Romans wird die Handlung für meinen Geschmack absurd. Geheimdienstmitarbeiter tauchen in den Wohnungen der Helden aus, Tinas Haus explodiert, worüber sie sich nicht weiter aufregt, die beiden fliehen durch das Land, Waffen spielen eine Rolle usw. usf. Zunächst ist es also eine Art Krimi für Frauen, dann wird es zum Thriller mit Inhalten, die eher männliche Leser ansprechen dürften. Ich habe mich bis Seite 210 gequält, aber dann beschlossen, mir diese Langeweile nicht weiter anzutun. Auf gute alte Buchhändlerinnen-Weise habe ich den Rest quer durchgeblättert, einige spannende Stellen mitgenommen und mir letztlich noch den Schluss zu Gemüte geführt.

 

Fazit: Nicht empfehlenswert. 

 

Als ich nach Infos über das Buch googelte, kam ich übrigens auf den Titel „End of days“ von Sylvia Brown, das sich mit dem Weltuntergang befasst. Brown spricht darin von einer gefährlichen Lungenkrankheit, die 2020 auftauche und gegen die es keinerlei Heilung gebe. „End of days“ werde ich nun aber sicher nicht lesen, sondern begnüge mich damit, einen Artikel der Webseite Mimikama zu zitieren, der Browns These als Unsinn abtut. 

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