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Susann Barczikowski: Vamos a la playa

Foto: Susann Barczikowski
Foto: Susann Barczikowski

Wir sind auf Mallorca! Seit knapp einer Woche. Sind wir komplett verrückt geworden?

 

Viele schließen allein bei dem Gedanken, jetzt ins Flugzeug steigen zu müssen, mit dem Leben ab. Zu gefährlich, zu wenig Sicherheit an Bord, wenn man sich was holt!? Das Virus ist überall. Auch ich fahre mit gemischten Gefühlen an den Frankfurter Flughafen …

 

Es ist wenig los an der Abfertigung; gefühlt treffen wir auf mehr Personal als auf Fluggäste. Das Boarding läuft problemlos. Kein Gedränge, die Passagiere werden nach Sitzreihen aufgerufen. Alle tragen einen Mund-Nasen-Schutz. Alle nehmen Rücksicht.

 

Die Flugbegleiter sind freundlich und zuvorkommend. Ob sie ihr Leben aufs Spiel setzen, um ein paar Touristen von A nach B zu bringen? Sie machen ihren Job. Mit einem Lächeln unter der Maske.

 

Der Service an Board ist prima. Eigentlich wie immer. Kurz vor dem Landeanflug auf Palma müssen alle Passagiere Einreiseformulare ausfüllen. Sind Sie gesund? Reisen Sie privat? Mit einem Reiseunternehmen? Telefonnummer und Adresse müssen wir angeben. Dann Fiebermessen bei der Ankunft. Ganz beiläufig, kurz vor der Gepäckausgabe.

 

Unsere Kinder holen uns am Flughafen ab. Die Freude ist groß. Nach mehr als fünf Monaten dürfen wir endlich wieder auf unsere Finca. Weit weg vom Ballermann. Weit weg vom Trubel.

 

Die Mallorquiner haben einen harten Lockdown hinter sich. Härter als wir es in Deutschland erlebt haben. Monatelang durften sie kaum aus dem Haus. Auch nicht an den Strand. Jetzt herrscht wieder ein wenig Normalität. Mit strengen Hygienevorschriften. Geschäfte und Hotels sind offen. Ob das so bleibt, ist fraglich.

 

Das Klosterrestaurant von San Salvador in Felanitx muss schließen. Die Mietrückstände sind erdrückend; die Einnahmen gering. Die Familie Mateu, die das geschichtsträchtige Restaurant seit 1927 in der dritten Generation führt, kann nach eigenen Angaben die Miete von mehr als 6.000 Euro nicht aufbringen. Das Bistum von Mallorca  bleibt hart. Keine Miete, kein Restaurantbetrieb. So einfach ist das. Ein Stück Tradition geht damit verloren. Die Corona-Krise benennt viele Verlierer.

 

Abends wollen wir zum Strand. „Vamos a la Playa“. Der Sommerhit von Righeira von 1983 schwingt mit. Jeder kennt das Lied, kaum einer den Text. „Vamos a la playa, todos con sombrero. El viento radiactivo, despeina los cabellos“. Übersetzt heißt das: „Lasst uns an den Strand gehen! Alle mit Hut. Der radioaktive Wind zerzaust das Haar.“ Die Angst vor einer Atomverseuchung war damals allgegenwärtig.

 

In diesem Sommer ist es die Angst vor dem Virus und einer zweiten Welle.

 

 

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