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Valentina Dietrich: Ferienbeginn mit Konjunktiv

Foto: Valentina Dietrich
Foto: Valentina Dietrich

Montag, 6. Stunde. Die Lautsprecheranlage knistert und kündigt das Ende dieses Schuljahres an. Über die geöffneten Türen und Fenster hallt der Klang des „Vater unser“ durch das fast leere Schulhaus. Für den Tag der Zeugnis-Ausgabe ist es doch ziemlich kalt, denke ich mir, als das Gebet vorüber ist. Vorhin hat es sogar noch geregnet. Und ganz generell ist an diesem letzten Schultag vieles ein bisschen anders.

 

Denn eigentlich beginnen die Ferien erst an einem Freitag und der Tag hat nur drei Stunden. So wie im letzten Jahr. Wir feierten unseren Schuljahres-Abschlussgottesdienst in der Trinkkuranlage. Seit ich auf dieser Schule bin, ist er ein fester Bestandteil dieses Tages. Fast 1000 Schüler saßen oder standen dort um das Wasserbecken und die Konzertmuschel herum. Alle sangen gemeinsam und das Schuljahr klang aus. Keiner dachte darüber nach, ob ein Virus unseren Alltag verändern könnte. Nach der 3. Stunde lagen sich schließlich alle in den Armen, schworen, in Kontakt zu bleiben und gingen dann nach Hause. Die ersten fuhren schon an diesem Wochenende in den Urlaub, an den Gardasee oder nach Griechenland. 

 

Die Durchsage geht weiter, der Reisesegen wird uns zugesprochen. Dann erhalten wir unsere Zeugnisse. Zugegeben bin ich etwas melancholisch, dass ich meine Freundin nicht umarmen kann, aber die Situation lässt es nicht zu. Draußen überprüfe ich meine Corona App und mache mich auf den Weg. Wieder driften meine Gedanken dahin ab, wie dieser Tag eigentlich hätte sein sollen und wie es im letzten Jahr war. Aber jetzt sind Ferien, denke ich mir, jetzt kann ich Grammatik-Themen wie den Konjunktiv einfach mal bis ins neue Schuljahr beiseitelegen.

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