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Petra Ihm-Fahle: Entfreundet in der Corona-Krise

Erstaunt stellte ich fest, dass mich eine liebe Freundin auf Facebook entfreundet hat. Wir kennen uns seit Studientagen, haben vor Jahren in den sozialen Netzwerken wieder zusammengefunden und uns gut verstanden. Sie ist - wenn auch auf distanzierte Weise - ein Mensch, der zu meinem Leben gehört. Was habe ich ihr getan? Ich schrieb ihr eine Nachricht und hakte nach. Ihre Antwort: Dass ich in Sachen Corona eine andere Meinung als sie habe, könne sie gerade noch ertragen. Gereicht habe es ihr allerdings, als ich einen Post verfasst hätte, in dem ich „mit Denunzianten sympathisiert“ hätte. Sie habe die Reißleine gezogen, weil sie Angst hat, "wohin Deutschland steuert" und es ihr zu viel wurde. „Ich habe dich aber trotzdem noch lieb“, schrieb sie.

 

Mag ja sein, aber durch das Entfreunden haben wir nun keinen Kontakt mehr.  

 

Ich schaute meine Facebook-Posts durch und bin sicher, so etwas nicht geschrieben zu haben. Allerdings habe ich über Themen wie Abstand und Maskenpflicht gepostet, wofür ich nach wie vor eintrete. Ich habe einige Facebook-Freunde, die leichtfertig mit dem Begriff „Denunzieren“ umgehen und mir dies grundlos vorwarfen. Beispiel: „Trag doch deine Maske ... Aber reg dich nicht den ganzen Tag wie ein Denunziant auf ...“ Eventuell hat meine Freundin das gelesen und es war der Stein des Anstoßes. 

 

„Denunzieren“ ist ein hartes Wort, Wikipedia definiert es wie folgt: „Unter einer Denunziation versteht man die Anzeige eines Denunzianten aus persönlichen, niedrigen Beweggründen, wie zum Beispiel das Erlangen eines persönlichen Vorteils.“ Und nicht umsonst sagt man: „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“  

 

An diesem kleinen Vorfall erlebe ich, welche Macht das Virus auf unsere Seelen hat.

Screenshot: Petra Ihm-Fahle
Screenshot: Petra Ihm-Fahle

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