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Rita H. Greve: Großer Durchbruch?

Foto: Greve
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Großbritannien setzt ab sofort den Wirkstoff Dexamethason zur Behandlung von COVID-19-Patienten ein. Zuvor hatte eine klinische Studie ergeben, dass das Medikament die Sterblichkeit von Schwerstkranken um ein Drittel senkt. Das Mittel wird seit mehr als 50 Jahren in der Medizin als Entzündungshemmer eingesetzt, etwa bei Entzündungen von Haut und Gelenken. Der Wirkstoff ist in einer Vielzahl von Medikamenten enthalten, die das Immunsystem unterdrücken, um allergische und entzündliche Prozesse zu stoppen. So wird er unter anderem in der Neurologie (bei Hirnödem), bei Atemwegserkrankungen (Asthma), in der Dermatologie, Infektiologie, Onkologie, Rheumatologie und Ophthalmologie angewendet. Er kann innerlich wie äußerlich verabreicht werden. Bei kurzzeitiger Gabe, heißt es, sei das Risiko von Nebenwirkungen gering.

Wissenschaftler unter Leitung eines Teams der Universität Oxford hatten für die Studie das  verfügbare Medikament mehr als 2.000 schwerkranken COVID-19-Patienten verabreicht. Laut der Studie reduzierte Dexamethason die Sterblichkeit derer, die nur mithilfe eines Beatmungsgerätes atmen konnten, um 35 Prozent. Bei Menschen, die Sauerstoff verabreicht bekamen, sank die Sterberate immerhin um ein Fünftel. Patienten, die keinerlei Atemunterstützung im Krankenhaus bekommen haben, hatten von Dexamethason allerdings keinen Vorteil.

 

Die Forscher feierten die Entdeckung als "großen Durchbruch" im Kampf gegen die durch das Coronavirus ausgelöste Krankheit.

"Dexamethason ist das erste Medikament, für das gezeigt werden konnte, dass es die Überlebenschancen bei COVID-19 verbessert", sagte Professor Peter Horby.

 

Das Mittel ist preiswert (etwa 50 Euro) und der Patentschutz bereits abgelaufen. So kann es auch als Generikum (Nachahmerpräparat) angeboten werden. Es ist sofort einsetzbar, und in Kombination mit einem anderen vielversprechenden Medikament, Remdesivir, könnte es seine volle Kraft entfalten. Der Wirkstoff des Mittels Remdesivir ähnelt den RNA-Bausteinen, die RNA-Viren wie SARS und Mers-CoV zur Vervielfältigung ihres Erbgutes benötigen. Wird von den viralen Oberflächen-Enzymen Remdesivir in die Viren-RNA, dem Träger der Erbinformation, eingebaut, kann sich das Virus nicht mehr vermehren, so Matthias Gotte von der University of Alberta/Kanada.

 

Remdesivir bekämpft das Virus, Dexamethason die überschießende Entzündung. Solche Kombinationen werden gerade auch in anderen Studien untersucht.“ (Prof. Dr. Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie am 17.06.2020)

Sollten sich Remdesivir und Dexamethason gegen SARS-CoV-2 bewähren, würde dies zwar nicht die Ausbreitung des Coronavirus stoppen. Es würde aber dabei helfen, Todesfälle durch Covid-19 zu verhindern.

 

Auch in Deutschland laufen derzeit mehrere klinische Studien zur Wirksamkeit von Remdesivir. So testet das Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München im Rahmen einer international angelegten Studie Sicherheit und Wirksamkeit des Wirkstoffs.

Jetzt hat die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA erstmals grünes Licht für einen Wirkstoff zur Corona-Therapie in der EU gegeben. Der Empfehlung zufolge sollen bestimmte Covid-19-Patienten unter Auflagen mit Remdesivir behandelt werden dürfen, wie die EMA am letzten Donnerstag (25.06.2020) in Amsterdam mitteilte. Die EU-Kommission muss dem noch zustimmen, was aber als Formsache gilt.

 

Wünschenswert wäre es, wenn es gelänge, sowohl ein wirksames Medikament als auch einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Es gibt nämlich Menschen, die impfunfähig sind. Für diese Gruppe käme also nur ein Medikament in Frage. Dennoch würde diese Gruppe natürlich von der Impfung aller anderen profitieren.

Vielleicht ist es ja doch möglich, mit ganz viel Forschereinsatz und einem Quäntchen Glück  das Ziel noch in diesem Jahr zu erreichen. Das wäre dann wirklich der ganz große Durchbruch.

 

 

 

Quellen: Merkur, AFP, MDR Wissen

 

 

 

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